Soziale Innovation und Bündnisarbeit

Impulsvortrag beim Treffen der BBWA-Geschäftsstellen

08.03.2018

Soziale Innovation ist eine Kernanforderung von ESF-Förderprogrammen. Doch es fällt auch Akteur*innen im sozialen Bereich oft nicht leicht, neue Ansätze und Praktiken zu entwickeln. Die Projekte und Aktivitäten der Bezirklichen Bündnisse für Wirtschaft und Arbeit (BBWA) stehen ebenfalls vor der Herausforderung, von standardisierten Herangehensweisen abzuweichen und neue Lösungen für drängende lokale Fragestellungen zu finden.


Oftmals ist unklar, was mit dem Begriff der sozialen Innovation gemeint ist. Ein Impulsvortrag beim überbezirklichen Treffen der BBWA-Geschäftsstellen sollte Licht ins Dunkel bringen und dazu anregen, den Ansatz der sozialen Innovation intensiver für die Bündnisse zu nutzen.

Neun BBWA-Geschäftsstellen waren Ende Februar zusammengekommen, um sich zum Thema soziale Innovation mit Fokus auf die Bündnisarbeit zu informieren. Birgit Kubisch-Hillebrand, von der BBWA-Geschäftsstelle Friedrichshain-Kreuzberg und Nela Saathoff, Bündnisberaterin der zgs consult GmbH, trugen vor, welche wachsende Bedeutung soziale Innovationen auf globaler wie lokaler Ebene haben.

Der Vortrag zeigte, dass soziale Innovation auf die Verbesserung von Lebensqualität, Solidarität, Wohlergehen und die Verbesserung der Handlungsfähigkeit der Gesellschaft zielt. So sind in den letzten Jahrzehnten neuartige Formen des sozialen Wirtschaftens und kooperativen Zusammenwirkens entstanden, die innovative und überzeugende Ansätze zur Lösung sozialer Fragestellungen gefunden haben.

Dimensionen der sozialen Innovation

Dabei gibt es unterschiedliche Dimensionen der sozialen Innovation. Sie reichen von der punktuell besseren Versorgung von benachteiligten Personengruppen wie beispielsweise pflegebedürftigen Menschen bis hin zum Wandel gesellschaftlicher Systeme. Ein innovatives Beispiel ist die Umwandlung vom Kranken- zum Gesundheitskassensystem durch niedergelassene Ärzte und Kassen in einer baden-württembergischen Region. Hier wird ein Belohnungs- und Anreizsystem für gesundheitsorientierte Verhaltensweisen erprobt.

Viele praktische Beispiele wie der Kältebus der Berliner Stadtmission, das Mehrgenerationenhaus, die ärztliche Praxisgebühr, Mikrofinanzierung oder duale Ausbildung veranschaulichten das Thema. Es wurde deutlich, dass viele heutzutage gewohnte Ansätze und Angebote ursprünglich eine soziale Innovation darstellten, wie die Idee des Wohlfahrtsstaates oder die öffentlichen Bibliotheken.

Entwicklungs- und Wachstumszyklen

Die Teilnehmenden erfuhren darüber hinaus, wie soziale Innovationen in Form von Projekten und Dienstleistungen entstehen und welche Entwicklungs- und Wachstumszyklen sie durchlaufen – von der Findung der Problemursache über die Ideenentwicklung bis hin zur Verbreitung der Ideen und einem möglichen Systemwechsel.

Dabei ist das methodische Vorgehen bei der Entwicklung vielfältig und dynamisch. Es geht darum, möglichst interdisziplinär, vernetzt und integrativ auf Lösungssuche zu gehen. Auszuschließen sind fachisoliertes Arbeiten oder Top-Down-Lösungen, die die Betroffenen an der Lösungsentwicklung nicht beteiligen. Soziale Innovatoren brauchen den Mut, Neues zu wagen, Rückschläge zu überwinden und Erarbeitetes wieder in Frage zu stellen.

Bündnisse als Impulsgeber und Plattform

Der Vortrag endete mit der Anregung, die Bündnisse als Impulsgeber und Plattform für die Entwicklung sozialer Innovationen weiter zu entwickeln. So könnte auf lokaler Ebene nicht nur ein wichtiger Beitrag bei der Lösung von sozialen Fragestellungen geleistet, sondern auch unternehmerisches Wachstum im sozialen Bereich gefördert und die politische Reaktionsfähigkeit gestärkt werden. Dabei ermöglicht die überbezirkliche Vernetzung der Geschäftsstellen ein gemeinsames Lernen, Erfahren und Erproben des sozial innovativen Ansatzes, der im jeweiligen Bezirk individuell ausgestaltet werden kann.

Angeregt durch den Vortrag vereinbarten die Anwesenden eine weitere Veranstaltung zum Thema für das nächste Treffen im Mai.

 

  
  

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