Friedrichshain-Kreuzberg: Familienzentrum für blinde und sehbehinderte Menschen erschlossen

09.07.2019

Im LSK-Projekt „TEBE“, welches im Dezember 2018 endete, haben arbeitslose und erwerbslose Menschen das Familienzentrum Menschenskinder für Menschen mit Sehbehinderungen und Blindheit taktil erschlossen.


Ziel des Projektes war die Stärkung persönlicher und arbeitsmarktbezogener Kompetenzen der Teilnehmenden. Mit der taktilen Erschließung erfüllte das ESF-geförderte Projekt zugleich ein bezirkliches Anliegen.

Das Projekt umfasste Ortsbegehungen des Familienzentrums, die Bearbeitung von Grundrissplänen und die Bewertung eventuell vorhandener Barrieren für blinde und sehbehinderte Menschen. In enger Absprache mit der Einrichtungsleitung wurden Orientierungspläne für das Erdgeschoss und das Obergeschoss sowie Türbeschilderungen entworfen, die für blinde und sehbehinderte Besucher*innen ertastbar sind. Sie erleichtern ihnen nun die Teilhabe an den vielfältigen Angeboten des Familienzentrums.

Die Teilnehmenden hatten Gelegenheit, sich für die speziellen Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen zu sensibilisieren. So erhielten sie Einblicke in die Bedeutung von Barrieren, in die Braille-Schrift, in die Fertigung von Matrizen und das Verfahren der Thermoformung. Zudem waren sie im Bereich der Erfassung des Familienzentrums, der Grundrisspläne und der Begebenheiten vor Ort, der Datenverarbeitung und der grafischen Aufbereitung mit dem PC tätig. Regelmäßig trafen sie sich mit blinden und sehbehinderten ehrenamtlichen Helfer*innen und besprachen die Projektergebnisse.

Neues Selbstvertrauen gefasst - Kompetenzen erworben

Durch die Tätigkeiten fassten die Teilnehmenden neues Selbstvertrauen und lernten, souverän mit Kritik und Feedback umzugehen. Zum Projektabschluss erhielten sie eine Kompetenzmappe, die ihre individuell erzielten Erfolge und Weiterentwicklungen darstellt. Sie enthält nicht nur die inhaltlichen Schwerpunkte des Projektes und die thematischen Stärken der Teilnehmer*innen, sondern stellt auch dar, wie sie im Projekt ihre arbeitsmarktbezogenen Kompetenzen erweitert haben.

Hierzu gehören beispielsweise ein regelmäßiges und pünktliches Erscheinen am Arbeitsplatz, ein respektvoller Umgang mit Vorgesetzten und Kolleg*innen, die Arbeit im Team, eine pflichtbewusste Ausführung von Arbeitsaufträgen aber auch die Rechte und Pflichten am Arbeitsplatz. Die Kompetenzmappe unterstützt die Teilnehmenden nun bei ihren Bewerbungsbemühungen und hilft ihnen, bei einem Wiedereinstieg in den Beruf mit gestärktem Selbstbewusstsein und konkreten persönlichen Zielvorstellungen aufzutreten. Das Projekt „TEBE“ überzeugte die Teilnehmenden mit seiner Praxisbezogenheit und motivierte durch den stark partizipativen Charakter. So haben drei der insgesamt zehn Teilnehmenden die Aussicht, mit einer Förderung in diesem Bereich weiterhin beim Träger tätig zu sein. Zwei weitere Teilnehmende engagieren sich zudem ehrenamtlich im Bereich der Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen.

„TEBE“ ist ein Modellprojekt für die taktile Erschließung bezirklicher Einrichtungen. Die Vorgehensweise im Projekt kann nun wie ein Leitfaden auf beliebige weitere bezirkliche Einrichtungen angewendet bzw. auf die Erschließung für Menschen mit anderen Behinderungen übertragen werden.

Am 13. Mai 2019 wurden die taktilen Orientierungspläne für das Erdgeschoss und das Obergeschoss sowie die Türbeschilderungen feierlich eingeweiht. Das Projekt und auch die offizielle Einweihung legten den Grundstein für eine weitere enge Zusammenarbeit zwischen der Atina gemeinnützige UG und dem Familienzentrum Menschenskinder. Nachfolgeprojekte befinden sich bereits in der Planung.

Kontakt:
Sarah Korup-Schulz
Atina gemeinnützige UG
Tempelhofer Ufer 5, 10963 Berlin
korup@atina.berlin
www.atina-berlin.de

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