


Das Projekt "Wir geben kein Fahrrad auf" unter der Leitung der agens Arbeitsmarktservice gGmbH entwickelt ein Konzept zur zentralen Sammlung, Aufbereitung und Wiederverwendung gebrauchter Fahrräder. Es fördert nachhaltige Mobilität, reduziert Fahrradschrott und verbindet ökologische, soziale und bildungsbezogene Ziele. Eine zentrale Sammelstelle dient als Anlaufpunkt für Bürger:innen, Hausverwaltungen und Fahrradwerkstätten. Spender:innen können ungenutzte Räder abgeben, während Initiativen Fahrräder abholen oder zurückführen können. Die Sammelstelle dient auch als Plattform für Projekte zu Fahrradtechnik, Recycling und nachhaltiger Mobilität.
Das Projekt fördert eine kreislauforientierte, sozial inklusive und nachhaltige Fahrradkultur im Bezirk, indem es Langzeiterwerbslose, einkommensschwache und geflüchtete Menschen einbindet und das Gemeinwohl stärkt. Es unterstützt Bürger:innen in der Nutzung umweltfreundlicher Mobilität und vernetzt gemeinnützige Werkstätten und soziale Projekte. Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg verursachen herrenlose, beschädigte Fahrräder in öffentlichen und privaten Räumen (Keller, Höfe) erhebliche Belastungen. 2023 wurden 871–907 Räder erfasst und 590 entsorgt. Hochrechnungen deuten auf bis zu 95.000 aufgegebene Räder in Privathaushalten hin. Parallel besteht Fachkräftemangel, besonders in technischen Berufen, und eine steigende SGB-II-Arbeitslosigkeit. Gemeinnützige Fahrradwerkstätten spielen eine zentrale Rolle in beiden Problemlagen: Sie sammeln, reparieren und nutzen die Räder für soziale Projekte – z. B. für Geflüchtete, einkommensschwache Personen oder FLINTA*-Gruppen. Teilnehmende (TN) erlangen Fach- und Sozialkompetenzen und bauen ihre Beschäftigungsfähigkeit aus.
Logistische Herausforderungen (Abholung, Lagerung), falsche Größen (z. B. zu große Räder für Kinderprojekte) und fehlende Ressourcen die Wirksamkeit der Projekte. Oft landen ungenutzte Räder in den Werkstätten selbst als Schrott, während kleinere Initiativen aufgrund von Mittelknappheit Potenziale nicht ausschöpfen können. Ein Kernproblem ist die Abhängigkeit von kurzfristigen Förderprojekten und Ehrenamtlichkeit, die langfristige Stabilität gefährdet. Mit dem Entwicklungsprojekt „Wir geben kein Fahrrad auf“ wollen wir einen innovativen Beitrag zur nachhaltigen Lösung dieser Problemlagen leisten. Ziel ist die Entwicklung eines Modellkonzepts für eine bezirklich zentrale Sammel-, Lager- und Aufbereitungsstelle für Fahrräder. Diese soll als Plattform für Bürger*innen, Hausverwaltungen, gemeinnützige Werkstätten und soziale Träger dienen und die Wiederverwendung von Fahrrädern systematisch und bedarfsgerecht ermöglichen. Die zentrale Idee: Fahrräder nicht als Müll, sondern als Ressource begreifen – für Mobilität, Teilhabe und Qualifizierung. Im Mittelpunkt stehen dabei die TN der beteiligten sozialen Projekte und Werkstätten. Zu ihnen zählen insbesondere erwerbslose Menschen, Personen mit Fluchterfahrung, einkommensschwache Haushalte sowie FLINTA*, die durch gezielte Angebote in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt werden sollen. Folgende Wirkungen nehmen wir bezogen auf die TN in den Blick und orientieren uns dabei an der Wirkungstreppe nach Phineo. Diese geht davon aus, dass gesellschaftliche Wirkung dann erreicht wird, wenn individuelle Personen Angebote wahrnehmen, dadurch ihre Einstellungen und Handlungen verändern, sodass sich ihre Lebenssituation verbessert. Aus den Outputs des zu entwickelnden Konzeptes (Angebote, Maßnahmen, potenzielle Sammelstelle als Fahrradkompetenzzentrum) ergeben sich bei den Zielgruppen Outcomes, die schließlich den gesellschaftlichen Impact erzielen: Zugang und Teilhabe: Der zu untersuchende Ansatz einer zentralen Sammelstelle schafft neue Zugänge zu verkehrstüchtigen Fahrrädern für Menschen, die sich diese sonst nicht leisten könnten. Durch die Kooperation mit lokalen Werkstätten und Initiativen entstehen niedrigschwellige Angebote zur Fahrradreparatur und -nutzung. TN können sich aktiv einbringen, eigene Fahrräder aufbauen und technische Kenntnisse erwerben. Qualifizierung und Beschäftigungsperspektiven: Die TN erhalten die Möglichkeit, sich in Werkstätten weiterzubilden, zu engagieren und praktische Erfahrungen zu sammeln. Die Verbindung von Recycling, Technik und sozialem Engagement eröffnet neue Wege in Richtung Beschäftigung und stärkt die Motivation zur beruflichen Orientierung. Bildungsformate zu Mobilität, Zero Waste und Konsumkreisläufen können neue Zielgruppen erreichen und das Bewusstsein für nachhaltige Lebensweisen stärken. Dabei nehmen wir auch potenzielle neue Berufsfelder auf, z.B. sogenannte “Green Jobs” mit in den Fokus. Sozialer Zusammenhalt und Empowerment: Die gemeinsame Arbeit an Fahrrädern fördert den Austausch zwischen unterschiedlichen Zielgruppen. TN erleben sich als Teil eines sinnstiftenden Projekts, das ökologische und soziale Ziele miteinander verbindet.
Umwelt- und Naturschutzamt Tempelhof-Schöneberg, Rückenwind e.V., THF Welcome e.V., BSR, Zero Waste, Vonovia, ADFC, VSF, Natur- und Umweltbildung Tempelhof-Schöneberg
