Arbeitspolitik neu gedacht: Soziale Betriebe

Ein alter Bauwagen steht auf einem Gelände in Spandau: abgeblätterte Farbe, verwittertes Holz, blinde Fenster. Einige Monate später steht dort ein modern ausgebautes Tiny House. Der Wandel steht exemplarisch für neue Ansätze in der Berliner Arbeitsmarktpolitik.

Viele Unternehmen suchen Personal, gleichzeitig bleibt der Zugang für langzeitarbeitslose Menschen in reguläre Beschäftigung schwierig. Klassische Förderansätze setzten häufig auf Beschäftigung in geschützten oder teilgeschützten Strukturen mit begrenztem Bezug zum regulären Arbeitsmarkt.

Mit den Sozialen Betrieben hat Berlin ein Fördermodell eingeführt, das stärker auf wirtschaftsnahe Tätigkeiten ausgerichtet ist. Soziale Betriebe sind erwerbswirtschaftlich tätige, abgegrenzte Betriebseinheiten, in denen langzeitarbeitslose Menschen arbeiten und parallel fachlich sowie sozialpädagogisch begleitet und qualifiziert werden. Die Beschäftigten erhalten tarifliche Bezahlung (TV-L).

Seit dem 1. August 2021 wird das Instrument in Berlin umgesetzt. Gefördert werden unter anderem die Fachanleitung, sozialpädagogische Begleitung, Sachkosten sowie teilweise die Lohnkosten der Beschäftigten. Zusätzlich stehen Mittel für individuelle Qualifizierung zur Verfügung. Aktuell gibt es 20 Soziale Betriebe in Berlin.

Die Ergebnisse zeigen Wirkung: Zwischen 2021 und 2024 konnten 37,5 Prozent der Teilnehmenden in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Wie innovativ das Modell sein kann, zeigt der Soziale Betrieb der C.U.B.A. gGmbH in Spandau. Im Projekt cuba tiny house werden alte Bauwagen zu modernen Tiny Houses umgebaut. Die Tätigkeiten umfassen unter anderem Holz- und Metallbau, Ausbaugewerke, Malerarbeiten sowie Logistik und Organisation. Sechs Tiny Houses wurden bereits fertiggestellt und weiterverwendet, etwa als Ferienunterkunft oder mobiles Büro.

Das Projekt begleitet 18 Teilnehmende mit einem Betreuungsschlüssel von etwa 1:5. Erste Übergänge in reguläre Beschäftigung sind erfolgt, weitere werden erwartet. Die angestrebte Integrationsquote liegt bei mindestens 35 Prozent.

Der zentrale Effekt liegt im Prozess: Während aus einem alten Bauwagen ein neues Tiny House entsteht, entwickeln die Teilnehmenden handwerkliche und organisatorische Fähigkeiten, Selbstvertrauen und berufliche Perspektiven. So verbinden die Sozialen Betriebe 3.0 Beschäftigung, Qualifizierung und Integration im selben Arbeitszusammenhang.

Mehr Informationen unter:

Link zum Fachkonzept Soziale Betriebe der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung: https://www.berlin.de/sen/arbeit/beschaeftigung/foerderung/soziale-betriebe-2-0/

Link zum Sozialen Betrieb 2.0 cuba tiny house: https://cuba-med.com/index.php/soziale-betriebe-2-0