
Im Projekt gestalten die Teilnehmenden in einer Betreuungspartnerschaft mit Jobcoaches, fachlichen Anleiter*innen und Gesundheitsmentor*innen gemeinsam ihren Plan für einen gesunden Einstieg in den Arbeitsmarkt.
Das Angebot der kooperierenden Einrichtungen Atina und ESSEN WISSEN Stiftung Eildermann gliedert sich in sechs Kurse mit jeweils ca. 5 Teilnehmenden:
- Begonnen wird mit einer zweiwöchigen Eintrittsphase für eine erste Orientierung und das gegenseitige Kennenlernen.
- Anschließend folgen zehn Wochen, an denen es jeweils dienstags um das Thema Gesundheitsförderung und gesunde Ernährung und donnerstags um Arbeitsförderung und die eigene Karriere geht.
- An den anderen Wochentagen steht es den Teilnehmenden frei, an den vielseitigen laufenden Projekten beider Einrichtungen teilzunehmen (bspw. Lebensmittelrettung, Klimaschutz, Spendenkontor, Gesundes Frühstück, Lebensschule, Kochen mit blinden und sehbehinderten Menschen, Werkstattarbeiten für ertastbares Kartenmaterial für sehbehinderte Menschen).
- Persönliche Gespräche, Resilienz-, Achtsamkeits- und Aktivitätsangebote und ein professionelles Jobcoaching sind fester Bestandteil jedes Kurses.
- In einer Abschlusswoche werten wir gemeinsam die Teilnahme aus und der Kurs verabschiedet sich mit einem Abschlussevent.
Was unser Projekt so besonders macht: wir bereiten immer gemeinsam eine Mahlzeit zu. So kochen wir sowohl dienstags als auch donnerstags und genießen gemeinschaftlich. Hierfür stehen uns das Koch- und Schulungszentrum der ESSEN-WISSEN Stiftung Eildermann und die Küchen in den Standorten der Atina gUG (Tempelhofer Ufer 5, Konrad-Wolf-Str. 7) zur Verfügung.
Die Idee für unser Modellprojekt basiert auf Analysen, welche in einem vorausgehenden Entwicklungsprojekt unter Einbeziehung verschiedener Partner und fachlicher Perspektiven durchgeführt wurden. Nun erproben wir den durch diese Entwicklungspartnerschaft erarbeiteten innovativen Ansatz in der Praxis. Über die gesamte Projektlaufzeit unterstützt uns hierbei fachlich-methodisch und strategisch ein Beirat, zu dem Mitarbeitende mehrerer Jobcenter, des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg, anderer Träger und Expert*innen gehören. Wir werden das Projekt methodisch aufbereiten und Erfolgsfaktoren sowie ggf. Abweichungen von den mit dem Modellkonzept beabsichtigten Wirkungen identifizieren. Dabei haben wir stets im Blick und werten zum Ende des Projektes aus, ob unser erprobter Ansatz gegenüber herkömmlichen Ansätzen wirksamer sein kann (sozial-innovatives Potential) und welche Bedingungen es dafür braucht. Eine wirkungsorientierte Betrachtung und Dokumentation bildet auch die Grundlage, um mit Blick auf eine mögliche Skalierung bzw. Weiterentwicklung unserer Idee fundierte Überlegungen zur Übertragbarkeit des Lösungsansatzes und zum Transfer der Erkenntnisse anzustellen. Dazu dient u.a. auch ein zentraler Transfer-Workshop für unsere Partner, Teilnehmenden, bezirkliche und überbezirkliche Stakeholder und Entscheidungsträger zum Projektende.
Die Zielgruppe umfasst langzeitarbeitslose Menschen über 25 Jahren, die körperliche oder psychische Einschränkungen ihrer Gesundheit aufweisen. Ein weiteres Merkmal ist häufig, dass sie sich in einer Förderspirale befinden: das bedeutet, das sie oft über Jahre in diversen Maßnahmen gebunden sind, ohne eine nachhaltige Verbesserung ihrer Gesundheit oder Arbeitsmarktnähe zu erfahren und ganzheitlich als Person voranzukommen. Begleiterscheinungen sind insbesondere ein geringes Selbstbewusstsein und ein geringes Selbstwirksamkeitserleben sowie das Gefühl, nicht gehört und in ihren Bedürfnissen verstanden zu werden.
Bildungsstand und Berufserfahrung spielen hierbei keine Rolle; das Sprachniveau wird in den ersten Treffen gemeinsam bewertet und dann entschieden, ob eine Teilnahme sinnvoll ist oder ob eine Verweisberatung und eine Position auf der Warteliste des Projektes angestrebt werden. Gleiches geschieht bzgl. des psychischen Gesundheitszustands der Person. Wenn starke psychische Erkrankungen vorliegen, welche zunächst professionell betreut/behandelt werden müssen und wir die Betreuung der Person nicht leisten können, erfolgt keine Einmündung ins Projekt.
Die idealen Teilnehmenden für unser Projekt sind zudem Menschen, die offen für das Thema Gesundheitsförderung/ Ernährungsbildung sind und sich durch diesen Kern des Konzeptes angesprochen fühlen.
Wir erproben einen individuell gestalteten, ganzheitlichen Ansatz, der möglichst viele Indikatoren für Arbeitsmarktnähe berücksichtigt und dabei die Bereiche Gesundheits- und Ernährungsförderung, Resilienzförderung, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Sprache und Digitalkompetenzen streift. Durch die neuartige Kombination einer über die Zeit der Teilnahme hinaus bestehende Betreuungspartnerschaft, in der unsere TN über die gesamte Zeit von ihrem/ihrer persönlichen Gesundheitsmentor*in begleitet werden und einen/eine Jobcoach*in an ihre Seite gestellt bekommen, zielen wir auf Wirkungen auf verschiedenen Ebenen ab.
Ebene Output:
- Wir erproben unseren ganzheitlichen, individuellen Lösungsansatz mit 30 TN in sechs Kursen.
- Die passgenaue Zielgruppe erfährt über ihr Jobcenter von unserem Projekt.
- Die TN durchlaufen begleitet unsere Kurse. Sie erarbeiten einen individuellen Gesundheitsplan.
- Wir bilden im Projekt die latenten Funktionen von Arbeit ab.
- Es wird eine enge Partnerschaft mit dem Jobcenter, im Speziellen mit passenden Teams als Piloten, aufgebaut und eine enge Zusammenarbeit als neue soziale Praxis etabliert.
- Es wird eine enge Kooperation mit anderen Trägern/Anbietern sozialer Unterstützung aufgebaut und genutzt, um den TN im Projekt ein möglichst ganzheitliches Betreuungs-Portfolio zu bieten.
- Es werden Betreuungspartnerschaften aus dem TN, Gesundheitsmentor*innen und Jobcoaches gebildet, welche den/die TN auch über die Teilnahme im Projekt hinaus beim Eintritt in den Arbeitsmarkt begleiten.
- Die TN werden in die Ausgestaltung und Durchführung des Projektes eng einbezogen.
Ebene Outcome:
- Kompetenzzuwachs: In Rahmen der Kompetenzbilanzierung erzielen alle TN arbeitsmarktrelevante Kompetenzzuwächse.
- Soziale Praxis: Die vorgesehene Zusammenarbeit mit dem Jobcenter wird konsolidiert, das Jobcenter profitiert von unserer engen Rückkopplung für eine bisher nur in geringem Maße vermittelte, besonders vulnerable Zielgruppe.
- Ressourcenaktivierung: Die TN erkennen ihre Stärken und was sie realistisch leisten können.
- Arbeitgeber-Kontakte: Die TN kennen Arbeitgeber und können mit ihnen kommunizieren. Beide Seiten haben einander gegenüber weniger Berührungsängste.
- Mein Plan: Die TN identifizieren sich mit den Resultaten der Projektteilnahme.
- Resilienz: Die TN sind sich ihrer persönlichen Stressoren bewusst und verfügen über Bewältigungsstrategien.
- Teilhabeerfahrung: Ich habe Menschen, die an mich glauben.
- Gesundheits- und Ernährungsförderung: Die TN achten auf ihre Gesundheit und bekommen von uns die richtigen Werkzeuge hierfür.
- Empowerment: Unser Fokus ist es, die Menschen zu befähigen, ihre Gesundheit weitestgehend selbst zu erhalten oder zu fördern sowie ihre Lebensbedingungen dementsprechend zu gestalten. Zudem fördern wir ihre intrinsische Motivation, einer Beschäftigung nachgehen zu wollen.
- Selbstwahrnehmung/-vertrauen: Die TN machen die Erfahrung, richtig gehört und mit ihren Bedürfnissen und Bedarfen wahrgenommen zu werden.
- ESSEN WISSEN Stiftung Eildermann (Mitantragstellerin)
- Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg (fester Kooperationspartner, Unterstützung im Beirat und bezirkliche Verankerung/Vernetzung)
- Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg (fester Kooperationspartner, Unterstützung im Beirat und in der Akquise von Teilnehmenden)
- Jobcenter Lichtenberg, Gesundheitsteam (Unterstützung im Beirat und in der Akquise von Teilnehmenden, Einbringung der Erfahrungen aus dem L.IGA-Projekt (Lichtenberger Initiative für Gesundheit))
- Stadt Göteborg, Pilotprojekt Gesundheitsförderung und Arbeitslosigkeit
- Ball e.V. (Trägerperspektive Arbeit mit der Zielgruppe)
- Just-Go-For-It GmbH (Vernetzung und fachlicher Input)
