




Kiez@Work begleitet junge Erwachsene aus der Bezirksregion Heerstraße auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt. Das Modellprojekt baut auf dem Entwicklungsprojekt A136137 auf und setzt auf glaubwürdige Vorbilder aus dem Quartier.
Methodische Grundlage ist die systemische Interaktionstherapie (SIT). Das Projekt setzt daher nicht nur an Qualifikationen an, sondern an Haltungen gegenüber Unterstützungsangeboten. Vorbehalte und eigene „Glaubenssätze“ werden reflektiert, eine kooperative Grundhaltung wird gestärkt.
Die Angebote entstehen gemeinsam mit Teilnehmenden und Vorbildern:
- „Ich bin Staaken“: Porträts, Kurzvideos und Social-Media-Beiträge über Vorbilder aus dem Kiez (ab Dezember 2026)
- Stammtisch im offenen Treff und Peer-Coaching mit Vorbildern
- Gemeinsame Reisen mit intensiver Biographiearbeit
- Ausflüge, Medien-Workshops, Quartiersmesse und Feste im Stadtteil
Ein multiprofessioneller, überbezirklicher Beirat begleitet die fachliche Weiterentwicklung und bereitet Transfer-Workshops vor. Offener Standort ist im Stadtteilzentrum Obstallee 22 E.
Unsere Teilnehmenden sind junge Erwachsene im Alter von 25 bis 35 Jahren, deren Lebensmittelpunkt in der Bezirksregion Heerstraße Nord liegt. Angesprochen werden insbesondere Menschen, die bislang keinen stabilen Zugang zum ersten Arbeitsmarkt gefunden haben, sich in prekären Beschäftigungsverhältnissen befinden oder langfristig auf Transfereinkommen angewiesen sind.
Ein besonderer Fokus liegt auf Gruppen, die laut Jobcenter Spandau als schwer erreichbar gelten. Dazu zählen junge Erwachsene mit Migrationsbiografien sowie Personen, die sich früh von institutionellen Bildungs- und Unterstützungssystemen distanziert haben und deren Erwerbsorientierung häufig von informellen Tätigkeiten geprägt ist. Viele von ihnen befinden sich in einer Lebenssituation, die durch fehlende Perspektiven, geringe Tagesstruktur und einen bereits verfestigten Leistungsbezug gekennzeichnet ist. Häufig werden diese jungen Menschen im Unterstützungssystem als „Kund:innen ohne Status“ beschrieben – also Personen mit ungeklärter Perspektive und ohne stabile Anbindung an bestehende Förderangebote.
Ein weiteres besonderes Augenmerk gilt alleinerziehenden jungen Frauen im Quartier, die durch bestehende Maßnahmen oft nicht ausreichend erreicht werden.
Grundsätzlich steht kiez@work allen Personen der Zielgruppe offen. Gleichzeitig wird im Sinne einer bedarfsorientierten Umsetzung sichergestellt, dass insbesondere schwer erreichbare Gruppen gezielt angesprochen werden.
Angesichts der sozialen Lage im Quartier, die ein erhöhtes Risiko für verfestigte Armut und eingeschränkte Teilhabe zeigt, setzt das Projekt gezielt auf langfristige Veränderungen – sowohl auf individueller als auch auf struktureller Ebene.
Im Zentrum steht die konkrete Wirkung für die Teilnehmenden: Innerhalb der Projektlaufzeit werden mindestens 30 junge Erwachsene in zwei Kohorten begleitet. Durch einen lebensweltorientierten Formatmix und den gezielten Einsatz von glaubwürdigen Rollenvorbildern entstehen stabile Kontakt- und Vertrauensräume. Diese ermöglichen es, neue Perspektiven zu entwickeln und erste Schritte in Richtung Arbeitsmarkt zu gehen. Ein zentrales Ziel ist es, dass mindestens 25 Teilnehmende im Anschluss in eine verlässliche Zusammenarbeit mit bestehenden Unterstützungsangeboten – etwa durch das Jobcenter oder Bildungsträger – übergehen.
Darüber hinaus stärkt kiez@work die lokale Infrastruktur: Es wird ein Netzwerk aus mindestens fünf Betrieben aufgebaut, die sich an den Prinzipien „Guter Arbeit“ orientieren und konkrete Zugänge zu Praktika, Ausbildung oder Beschäftigung eröffnen.
Ein wichtiger Baustein für die Nachhaltigkeit ist die Verstetigung erfolgreicher Ansätze: Mindestens ein Bildungsträger entwickelt auf Basis der Projektergebnisse eine zertifizierte Maßnahme weiter. Zudem bleiben ausgewählte Teilnehmende als sogenannte Peers aktiv und bringen ihre Erfahrungen als positive Vorbilder in zukünftige Prozesse ein.
Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse werden kontinuierlich aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht. Ziel ist es, die Ansätze – insbesondere die Arbeit mit Rollenvorbildern – auch für andere Bezirksregionen Berlins nutzbar zu machen. Erste Übernahmen durch weitere Projekte und Träger sind dabei ausdrücklich angestrebt.
Insgesamt leistet kiez@work damit einen konkreten Beitrag zu zentralen Zielen der Berliner Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik: zur Förderung guter Arbeit, zur Fachkräfteentwicklung sowie zur nachhaltigen Stärkung gesellschaftlicher Teilhabe und zur Verringerung von Armutsrisiken.
Das Bezirksamt Spandau (OE QPK) sorgt für die strategische Einbindung des Projekts in die bezirkliche Gesamtplanung. In Anbindung an die Leitlinie „Gesund aufwachsen, leben und älter werden in Spandau“ stellt es sicher, dass kiez@work an zentrale Handlungsfelder wie psychosoziale Stabilisierung und gesellschaftliche Teilhabe anknüpft. Zudem werden Projektergebnisse kontinuierlich in relevante bezirkliche Fachgremien, etwa die AG „Stabile Kieze“, eingebracht.
Der Gemeinwesenverein Heerstraße Nord e. V. bringt seine langjährige Erfahrung und tiefe Verwurzelung im Quartier ein. Als Träger von Quartiersmanagement, Stadtteilkoordination und vielfältigen sozialen Angeboten stellt er zentrale Ressourcen wie Räume, Netzwerke und lokale Expertise bereit und ist mit seinen vielfältigen Abteilungen nicht nur Projektträger, sondern auch Kooperationspartner.
Mit Staakkato Kinder und Jugend e. V. ist ein erfahrener Träger der aufsuchenden Jugendsozialarbeit beteiligt. Durch langjährige Arbeit in den Bereichen Streetwork, Sozialtraining und Jugendbeteiligung verfügt Staakkato über einen besonders direkten Zugang zur Zielgruppe. Diese Nähe ist entscheidend, um Vertrauen aufzubauen und glaubwürdige Rollenvorbilder in das Projekt einzubinden.
Ein wichtiger Kooperationspartner ist das Jobcenter Spandau, das vielfältige Anknüpfungspunkte schafft und den Teilnehmenden konkrete Perspektiven für Qualifizierung, Ausbildung und Beschäftigung eröffnet.
Wichtige Impulse erwarten wir vom projektbegleitenden Beirat, der sich aus Vertreter:innen der Wirtschaftsförderung, lokalen Unternehmer:innen sowie dem Berufsförderwerk des RKI zusammensetzt. Seine erste Sitzung findet im Juni statt.
