
Im Entwicklungsprojekt werden die Herausforderungen der betrieblichen Mitbestimmung im Bezirk systematisch untersucht und innovative Lösungsansätze entwickelt. Betriebliche Mitbestimmung ist ein zentraler Hebel, um die Situation prekär beschäftigter Menschen zu verbessern, berufliche Perspektiven zu erweitern, soziale Teilhabe zu stärken und Armut präventiv entgegenzuwirken. Studien zeigen: In Betrieben mit Mitbestimmungsgremien werden höhere Löhne gezahlt, und die Beschäftigten sind insgesamt zufriedener.
Die Wirtschaftsstruktur Friedrichshain‑Kreuzbergs ist mehrheitlich geprägt von kleinen und mittleren Unternehmen – Unternehmensformen, in denen statistisch betrachtet deutlich seltener Betriebs- oder Personalräte existieren. Häufig sind Teile der Belegschaft nicht-deutschsprachig und/oder haben keine Berührungspunkte zu betrieblicher Mitbestimmung bzw. sind nicht entsprechend in Mitbestimmungsgremien vertreten. Auch Frauen sind in Betriebsratsvorsitzen stark unterrepräsentiert. Besonders der prekäre Teil des Dienstleistungssektors weist eine Reihe struktureller Merkmale auf, die die Bildung und Arbeit betrieblicher Interessenvertretungen erschweren (u. a. Fragmentierung, Befristung, Sub-Unternehmertum).
Das Projekt analysiert diese strukturellen Rahmenbedingungen, um wirksame Instrumente zu entwickeln, welche betriebliche Mitbestimmung stärken, ihre Reichweite erhöhen und eine angemessene Repräsentanz verschiedener Beschäftigtengruppen in Mitbestimmungsgremien fördern.
Ziel des Projektes ist die Entwicklung wirksamer und übertragbarer Werkzeuge zur Stärkung bestehender Strukturen betrieblicher Mitbestimmung und zur Unterstützung bei der Neugründung von Gremien der betrieblichen Mitbestimmung im Bezirk Friedrichhain-Kreuzberg mit besonderem Fokus auf kleinere und mittlere Unternehmen. Der Leitgedanke ist dabei, die Repräsentanz unterschiedlicher Beschäftigtengruppen zu fördern.
Das Projekt strebt folgend Ergebnisse und Wirkungen an:
- Aufbau einer multiperspektivischen Entwicklungspartnerschaft aus mind. 3 Partnern, davon ein kommunaler Partner
- Durchführung einer fundierten, bezirklich relevanten und multiperspektivischen Problem-, Ursachen- und Umfeldanalyse, in deren Rahmen v.a. relevante wissenschaftliche Artikel, Daten und Fakten auf Bundes-, Berlin- und Bezirksebene recherchiert und zusammengetragen werden.
- Diese Literatur- und Datensammlung wird Weiteren durch leitfadengestützte Interviews vertieft. Es kommen Expert:innen wie Gewerkschaftssekretär:innen und Wissenschaftler:innen sowie insbesondere aktive Betriebs- und Personalratsmitglieder zu Wort. Durch Recherche und Interviews entsteht ein akkurates Bild der Mitbestimmungslandschaft Friedrichshain-Kreuzbergs.
- Hierauf aufbauend werden Werkzeuge zur Stärkung der bestehenden Strukturen und zur Unterstützung bei der Neugründung von Gremien der betrieblichen Mitbestimmung erarbeitet. Ziel ist die Entwicklung eines neuartigen und erprobungsreifen sozial-innovativen Lösungsansatzes und eines Modellkonzepts für die Erprobung des entwickelten Ansatzes mit Teilnehmenden im Rahmen eines anschließenden Modellprojektes.
- Methodische Aufbereitung und Herausarbeitung des gesellschaftlich relevanten Transferpotentials incl. Wissenstransfer der Erkenntnisse an relevante Stakeholder im Bezirk
Entwicklungspartner des Projektträgers ArbeitGestalten GmbH sind die Beauftragte für Gute Arbeit des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg und der Deutsche Gewerkschaftsbund Bezirk Berlin-Brandenburg. Durch Interviews und Workshops fließen die Perspektiven weiterer Akteure in die Projektarbeit ein.
