Franz-Neumann-Platz: Vom Problemort zum sozialen Begegnungsraum

Mit einer klaren Vision hat das LSI-Entwicklungsprojekt unter der Leitung der agens Arbeitsmarktservice gGmbH seine Arbeit aufgenommen: Gemeinsam mit lokalen Akteuren sollen neue Perspektiven geschaffen, bestehende Herausforderungen am Franz-Neumann-Platz (FNP) angegangen und ein Modell entwickelt werden, das nicht nur den Bedürfnissen des Bezirks entspricht, sondern auch echte Veränderung bewirkt.

Bedarfsanalyse und Feldforschung: Grundsteine der Entwicklung

Den Ausgangspunkt bildete eine umfassende Bedarfsanalyse, die als Grundlage für die weitere Entwicklung dient. Neben der Auswertung bereits vorhandener Untersuchungen wurden spezifische Daten durch Expert*inneninterviews, Fokusgruppen und Ideenschmieden erhoben, um Probleme präzise zu identifizieren und Lösungsansätze zu entwickeln. Besonders aufschlussreich war eine zweimonatige Feldforschung, die es ermöglichte, die Situation vor Ort direkt zu erfassen.

Soziale Herausforderungen am Franz-Neumann-Platz

Die Ergebnisse zeichnen ein kritisches Bild: Der FNP und seine Umgebung sind von zahlreichen Barrieren geprägt, die das soziale Miteinander erschweren. Viele Anwohner*innen und Besucher*innen fühlen sich isoliert und von der Gemeinschaft abgeschnitten. Vor allem Menschen mit geringen Deutschkenntnissen haben Schwierigkeiten, Zugang zu bestehenden Angeboten zu finden. Zudem prägen Unsicherheiten und Vorurteile, insbesondere gegenüber prekären Gruppen wie Menschen mit Suchtproblemen, die Atmosphäre am Platz.

Potenzial und bereits erfolgreiche Initiativen

Doch der Franz-Neumann-Platz birgt auch großes Potenzial. Die hohe Frequentierung des Ortes sowie bestehende Einrichtungen wie das Tagwerk, das M5, die Bibliothek oder das Café am See bieten wertvolle Anknüpfungspunkte. Erfolgreiche Initiativen wie das Foodtruck-Projekt der Berliner Help Stiftung zeigen, dass niedrigschwellige Angebote positive Veränderungen bewirken können.

Entwicklungsplan: Ein neuartiger sozialer Begegnungsort in zwei Phasen

Aufbauend auf diesen Erkenntnissen verfolgt das LSI-Projekt nun einen klaren Plan: Statt nur auf Hilfsangebote von außen zu setzen, rückt das Projekt soziale Innovation in den Mittelpunkt. Es geht darum, neue Formen der Zusammenarbeit zu schaffen und einen neuartigen sozialen Begegnungsort in zwei Phasen zu entwickeln: Zunächst wird eine Freiwilligenkoordination aufgebaut, die ein ehrenamtliches Nachbarschaftsteam akquiriert, um das Leben im Kiez aktiv mitzugestalten. In der zweiten Phase werden regelmäßige gemeinschaftliche Aktivitäten sowie Veranstaltungen organisiert. Ein zentrales Ziel des Projekts ist es, Menschen zu stärken und sie in ihrer Selbstbestimmung zu fördern. Durch gemeinsame Aktivitäten auf einem neugestalteten Platz sollen Begegnungen geschaffen und Brücken zwischen unterschiedlichen Lebenswelten geschlagen werden. Geplant sind eine zentrale Koordinierungsstelle sowie mobile Einheiten – etwa in Form eines Lastenfahrrads oder Bauwagens –, um flexibel auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen zu können.

Netzwerk und Zusammenarbeit: Schlüssel zum Erfolg

Das Projekt wird von einem starken Netzwerk getragen. Partner wie La Red, Fixpunkt, Horizonte, Stiftung SPI und die Parkläufer bringen ihre Expertise aus der Straßensozialarbeit und Suchtberatung ein. Zudem arbeiten das Reinickendorfer Grünflächenamt, die Sozialraumorientierte Planungskoordination sowie das Büro für Partizipation und Integration eng zusammen, um das Vorhaben erfolgreich umzusetzen.