EvA – Empowerment durch verlässliche aufsuchende Arbeit

EvA – Empowerment durch verlässliche aufsuchende Arbeit
Bezirk
Neukölln
Träger
My Way Soziale Dienste
Katzengraben 19
12555
Berlin
Projektadresse
EVA - Empowerment durch verlässliche aufsuchende Soziale Arbeit
Revaler Straße 15
10245 Berlin
Deutschland
Kontakt / Ansprechpartner*in
Boris Heimsoth
Projektleitung
017655781820
My Way Soziale Dienste gGmbH
Laufzeit:01.01.2026-30.06.2026
Förderprogramm:LSI 2025/2 (Entwicklungsprojekte)
Beantragte Fördersumme:30.517,00
Die Soziale Wohnhilfe Neukölln. Unser Entwicklungspartner.
Das Jobcenter Neukölln. Ein wichtiger Netzwerkpartner für das LSI Projekt.
Kurzbeschreibung

Ziel des Projekts ist die Heranführung an den Arbeitsmarkt von schwer erreichbaren, wohnungslosen Frauen im Bezirk Neukölln, die in der Regel nicht im Regelhilfesystem angebunden sind, im Rahmen von aufsuchender Sozialen Arbeit. Mit der Einbindung von Peers in die Straßensozialarbeit wird ein neuer innovativer Ansatz verfolgt. In diesem Entwicklungsprojekt soll zunächst eine Umfeld-/ Bedarfsanalyse im Bezirk Neukölln gestartet werden. Zudem wird das Versorgungsnetzwerk und bestehende Angebote erfasst, kontaktiert und Fachkräfte sowie ExpertInnen befragt. DIe Akquirierung von möglichen peers ist ein weiteres Handlungsfeld. Hierzu werden sich die Kooperationspartner im ersten Schritt abstimmen und Arbeitspakete verteilen. Geplant ist außerdem die Hinzugewinnung weiterer Kooperationspartner, insbesondere aus dem arbeitsmarktrelevanten Bereich. Im zweiten Schritt werden aus den Daten Handlungsempfehlungen abgeleitet, die im letzten Schritt zu einem Konzept führen sollen.

Zielgruppe

Die Zielgruppe besteht aus langjährig wohnungslosen und arbeitslosen Frauen, die sich im Bezirk Neukölln aufhalten und in der Regel nicht im Wohnungslosenregelhilfesystem versorgt sind. Die Frauen leben auf der Straße und schlafen in Notunterkünften oder übernachten bei anderen Personen, zumeist verbunden mit prekären Abhängigkeitsverhältnissen und Einforderung von Gegenleistungen. In der Regel hat es schon mehrfach vergebliche Versuche gegeben, mit Unterstützung von Maßnahmen der Wohnungsnotfallhilfe die Wohnungslosigkeit und Arbeitslosigkeit zu überwinden. Zum größten Teil sind die Anforderungen an die Mitwirkung für die Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten für diese Zielgruppe zu hoch. Niedrigschwellige Angebote werden dagegen regelmäßig aufgesucht. Meistens sind diese Einrichtungen die einzigen Bezugspunkte, an denen man die wohnungslosen Frauen sporadisch antreffen kann. 

Die Zielgruppe ist durch das Vorhandensein von multiplen Problemlagen charakterisiert. Alle Frauen sind von Wohnungslosigkeit und Arbeitslosigkeit betroffen. Der überwiegende Teil weist psychische Beeinträchtigungen und/ oder Substanzmittelgebrauchsstörungen auf, die in der Regel nicht behandelt werden.

Ein weiteres Merkmal dieser Zielgruppe ist ein teilweise vorhandenes Misstrauen gegenüber Behörden, Sozialarbeitenden und weiteren Akteuren im institutionellem Rahmen. Dies ist bedingt durch schlechte Erfahrungen im Hilfesystem . Der Umgang wird oft als fremdbestimmt und stigmatisierend erlebt.

Beabsichtigte Ergebnisse und Wirkungen

Das Entwicklungsprojektziel ist die Erstellung eines Modellkonzeptes für die Durchführung eines Modellprojekts mit dem Ziel, wohnungslose Frauen, die i.d.R. nicht untergerbacht sind, mit sozialarbeiterischer Beratung und parallel mit einer Anbindung an niedrigschwellige Beschäftigungs- und Förderangebote zu unterstützen, um die Frauen mittelfristig an den Arbeitsmarkt oder Arbeitsgelegenheiten gemäß SGB II heranzuführen. Dies soll mit aufsuchender Sozialarbeit unter Einbeziehung von peers geschehen.

Die besonderen Problemlagen der Zielgruppe sollen identifiziert und beschrieben werden, um daraus innovative Lösungsansätze für die Verbesserung der Lebenssituation zu entwickeln. 

Hierzu soll zunächst eine Ursachenanalyse mit Feststellung von Bedarfen der Zielgruppe und eine Problemadressierung im Bezirk Neukölln durchgeführt werden. Eine europaweite Recherche und punktuelle Kontaktaufnahme zu ähnlichen Projekten ist ebenfalls in Planung. Hierbei soll insbesondere die Wirksamkeit ähnlicher Lösungsansätze analysiert und evaluiert werden.

Weiterhin geht es um die Bestandsaufnahme und Kontaktierung von Unterstützungsangeboten im Bezirk, die einen Bezug zur Zielgruppe, bzw. einen Bezug zu Instrumenten der Arbeitsmarkintegration aufweisen. Die Erarbeitung eines Konzepts hinsichtlich der Integration von peers in die Straßensozialarbeit von Fachkräften ist ein weiteres Ziel des Projekts. Hierzu gehören die Akquise ebenso wie die Definition von Zuständigkeiten und inhaltlicher Zusammenarbeit und die Sicherstellung von Qualität.

Am Ende soll ein Konzept mit konkreten Handlungsempfehlungen einhergehend mit einer begründeten Methodenauswahl stehen, welches konkrete Wirkungen beabsichtigt und in einem  Modellprojekt praktisch erprobt wird. Die Einbindung von peer Mitarbeitenden stellt den innovativen Teil des Projekts heraus.

Entwicklungspartner und wichtigste Kooperationspartner

Das Entwicklungsprojekt startet mit drei Kooperationspartnern. Das Bezirksamt Neukölln - Soziale Wohnhilfe-, die Evangelische Hochschule Berlin, die My Way Soziale Dienste gGmbH. 

Als kommunaler Partner ist der Fachbereich Soziale Wohnhilfe des Bezirksamts Neukölln dabei. Sie kann insbesondere bei der Vernetzung von verschiedenen AkteurInnen der Wohnungsnotfallhilfe in Neukölln unterstützen und leichter Zugänge zu behördlichen Institutionen, wie z.B. dem Jobcenter Neukölln, den Sozial- Psychiatrischen Dienst, schaffen. Auch für die Problem- und Umfeldanalyse sind die Kenntnisse der Kommunalverwaltung äußerst relevant. Das Bezirksamt Neukölln beteiligt sich auch an der Konzepterstellung und bringt die Perspektive der behördlichen Seite mit ein. Diese ist unerlässlich um ein funktionierendes Modellkonzept zu entwickeln, welches in der Praxis  genau auf die Problemlage des Bezirks ausgerichtet ist und die verwaltungsrechtlichen Abläufe in der Behörde berücksichtigt.

Die Evangelische Hochschule begleitet das Projekt wissenschaftlich und unterstützt vor allem bei der empirischen Datenerhebung, der fachlichen Einordnung und Machbarkeitsuntersuchung. Im Modellkonzept werden fachliche Beiträge der Hochschule Verwendung finden. Sie leistet mit der Hilfe von Studierenden einen besonderen Beitrag bei der Datenerhebung. Dies kann z.B. in Form von Interviews, Literaturrecherche, Feldstudien, Auswertung bestehender Angebote oder Befragungen geschehen. Eine wissenschaftliche Facharbeit zur Wirksamkeitserforschung ist ebenfalls denkbar. Weiterhin kann die Hochschule bei der Entwicklung von innovativen Ideen und Lösungsansätzen sowie Instrumenten für die Umsetzung derer aktiv mitwirken und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Methoden, mit einfließen lassen. Auch die fachliche Begleitung der peer Arbeit ist ein zentrales Thema. Zudem verfügt die evangelische Hochschule über ein starkes Netzwerk im Bereich der Sozialen Arbeit, welches für die Vernetzung von unterstützenden AkteurInnen nützlich sein kann.

Die My Way Soziale Dienste gGmbH ist eine zivilgesellschaftliche Organisation, die als freier Träger der Wohnungsnotfallhilfe und Eingliederungshilfe gemäß BTHG im Bezirk Neukölln mit zwei Standorten und einem Projekt vertreten und vernetzt ist. Es besteht seit einigen Jahren eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Sozialen Wohnhilfe Neukölln. My Way ist mit der bereits beschriebenen Zielgruppe bestens vertraut und kann die Erfahrungen aus der Praxis einbringen und bestehende Netzwerke, wie z.B. im Beschäftigungsbereich, für das Entwicklungsprojekt nutzen. Für die Konzepterstellung ist die Perspektive eines freien Trägers, der in dem  Handlungsfeld der Problemlagen der Zielgruppen tätig ist, sehr hilfreich, da teilweise intensive Einblicke in die Lebenswelten der wohnungslosen Frauen gegeben sind, die Berücksichtigung in einem sozial- innovativem Konzept finden sollen. Zudem ist My Way eine junge Organisation, die  stets offen für Innovationen ist und diese voranbringen möchte.

Für die Umsetzung der Förderziele ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Neukölln, insbesondere dem Fallmanagement, geplant. Das Jobcenter hat eine ausführliche Übersicht zu allen niedrigschwelligen Beschäftigungsangeboten im Rechtsbereich des SGB II und verfügt eine Menge an Erfahrungen im Umgang mit der Zielgruppe. Zudem kann gemeinsam mit dem Fallmanagement eine realistische Perspektive mit den TeilnehmerInnen erarbeitet werden. Im Idealfall können bedarfsorientierte und passgenaue Angebote mit z.B. Qualifizierungsträgern, o.ä., konzipiert und durchgeführt werden.

Folgende Vernetzungen sind in Planung: Tagestreffs, Essensausgaben, Straßensozialarbeit, Sozialberatungen, ASOG Unterkünfte, Notunterkünfte, wie z.B. Evas Obdach. Ziele dieser Vernetzungen sind, die Erreichung der Zielgruppe, die Eruierung von Problemlagen, die Akquise von peers und dem Austausch zu Bedarfen und Unterstützungsmöglichkeiten. Im Beschäftigungsbereich: Jobcenter Neukölln; diverse Bildungsträger im Bezirk, die Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen anbieten; niedrigschwellige Beschäftigungs-/ Tagesstrukturprojekte im Bezirk; Jobpoint Neukölln;

Weitere Vernetzungen in Planung: Psychiatrie Vivantes Neukölln, Suchtberatung VISTA, Fixpunkt e.V., Beratungsstellen für Frauen/ Gewalt, Kontakt- und Beratungsstellen für psychisch erkrankte Menschen.

Von den Vernetzungen, hauptsächlich im Bezirk Neukölln, erwarten wir uns zunächst eine umfassende Übersicht über die bestehenden Hilfsangebote für unsere Zielgruppe und die Bedarfe derer. Für die Konzeptionierung einer zielgerichteten Maßnahme sind die inhaltlichen Erfahrungen der NetzwerkpartnerInnen von hoher Wichtigkeit und können die Grundlage für eine konstruktive Zusammenarbeit in einem möglichen Modellprojekt bilden.