Spielend in den neuen Job – Empowerment von Alleinerziehenden in Neukölln

Spielend in den neuen Job – Empowerment von Alleinerziehenden in Neukölln
Bezirk
Neukölln
Träger
ACT - Führe Regie über den Leben! e.V.
Innstraße 17
12043 Berlin
Deutschland
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Projektadresse
ACT_Lab
Sonnenallee 124
12045 Berlin
Deutschland
Kontakt / Ansprechpartner*in
Stefanie López
Projektumsetzung
01602409110
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ACT e.V.
Laufzeit:01.03.2026-31.12.2027
Förderprogramm:LSI 2024/1 (Modellprojekte)
Beantragte Fördersumme:299.225,00
Kurzbeschreibung

„Spielend in den neuen Job“ stärkt alleinerziehende Eltern in Neukölln durch Empowerment, psychosoziale Entlastung und innovative Berufsorientierung. In einem geschützten Gruppenrahmen reflektieren Teilnehmende ihre Grenzen, Rollenbilder und Bedürfnisse, entwickeln neue Kommunikations- und Erziehungskompetenzen und entdecken berufliche Perspektiven abseits klassischer Bewerbungswege. Methoden wie das Veto- und Gerne- Prinzip verbinden Selbstwirksamkeit mit nachhaltiger Handlungssicherheit. Durch kostenlose Teilnahme, Kinderbetreuung und individuelle Begleitung werden insbesondere belastete Eltern erreicht, die ohne Unterstützung keine Ressourcen für berufliche (Neu-)Orientierung hätten. Ziel ist es, soziale Teilhabe zu fördern, Armut zu verringern und langfristig tragfähige Brücken zwischen individueller Lebensrealität und Beruf zu bauen.

Zielgruppe

Das Projekt richtet sich an mind. 30 Alleinerziehende oder Getrennterziehende in Berlin-Neukölln, die auf der Suche nach einer beruflichen Neu- oder Umorientierung sind. 

Viele der angesprochenen Personen stehen vor multiplen Herausforderungen: psychische und physische Erschöpfung durch Dauerbelastung, strukturelle Benachteiligung am Arbeitsmarkt, finanzielle Unsicherheit sowie mangelnde gesellschaftliche Anerkennung. Hinzu kommt die Verantwortung für die emotionale und praktische Versorgung der Kinder – oft ohne verlässliche Entlastung durch ein familiäres oder institutionelles Netzwerk.

Voraussetzung für die Teilnahme sind Deutschkenntnisse auf mind. B2-Niveau. Das Alter des Kindes - falls eine projektinterne Kinderbetreuung notwendig ist - sollte nicht unter 3 Jahren liegen.

Nicht geeignet ist das Projekt für Personen mit einem akuten, psychisch instabilen Zustand, der medizinische oder therapeutische Intervention voraussetzt.

Das Projekt richtet sich gezielt an diejenigen, die an einem Wendepunkt stehen: bereit für Veränderung, aber ohne ausreichende Ressourcen, um allein den Schritt in eine neue berufliche Zukunft zu gehen. Ihnen bietet das Projekt einen stabilen, sicheren Raum für Empowerment, berufliche Entwicklung und soziale Vernetzung.

Beabsichtigte Ergebnisse und Wirkungen

Viele alleinerziehende Mütter und Väter befinden sich in einem dauerhaften Zustand der Überforderung. Sie jonglieren zwischen Erwerbsarbeit oder Erwerbslosigkeit, Kindererziehung, Haushalt, Behördengängen, oft auch konfliktreicher Kommunikation mit dem anderen Elternteil und Pflege der sozialen Kontakte. 

 

Die daraus resultierende chronische Belastung verhindert nicht nur kurzfristige Entlastung, sondern auch langfristige berufliche Entwicklung und finanzielle Unabhängigkeit. Hier setzt das Modellprojekt an.

 

Ziel des Projekts ist es, Alleinerziehende und Getrennterziehende in Neukölln zu empowern, ihre berufliche Orientierung selbstbestimmt und ressourcenschonend zu gestalten und in den Beruf einzusteigen. Dabei verbindet das Projekt persönliche Stärkung, strategische Kommunikationstrainings und individuelle Berufsorientierung zu einem ganzheitlichen, praxisorientierten und innovativen Ansatz, der die Arbeitsfähigkeit der TN sichert, erhält und stärkt.

 

Im Fokus stehen drei zentrale Entwicklungsfelder:

  • Persönliche Integrität: In Praxis-Trainings setzen sich die TN mit ihren Grenzen, Bedürfnissen und Ressourcen auseinander. Sie lernen, Nein zu sagen – gegenüber übergriffiger Kommunikation, struktureller Benachteiligung oder Rollenerwartungen.
  • Berufliche Perspektiven: Die TN erarbeiten mit Unterstützung von Flipped Job Market alternative Wege zur beruflichen Neu- oder Umorientierung – jenseits klassischer Bewerbungsprozesse. Hier stehen Potenzialentfaltung und Selbstwirksamkeit im Vordergrund.
  • Erziehungskompetenz & Beziehungsarbeit: Durch die Stärkung der kommunikativen Kompetenz in familiären Kontexten erfahren die TN Entlastung bei Erziehungsproblemen, neue Kommunikationsstrategien und mehr Verbindung zu ihren Kindern.

 

Ein zentrales Projektziel ist es, die TN aus dem Gefühl permanenter Reaktion („Hamsterrad“) zu holen und ihnen bewusst Raum zur Reflexion zu geben. In diesem Innehalten werden innere Haltungen überprüft, neue Sichtweisen entwickelt und konkrete Schritte für eine berufliche und persönliche Neuausrichtung erarbeitet. Dieses Prinzip nennen wir im Projekt „die Säge schärfen“ – statt erschöpft „mit stumpfer Säge weiter zu sägen“, wird „die Säge geschärft“ - und Kraft gewonnen für effektivere, klarere und selbstbestimmte Handlungen.

 

Die Teilnahme in einer festen Gruppe über einen längeren Zeitraum, der Austausch mit anderen Alleinerziehenden und das Schaffen eines geschützten, wertschätzenden Raums fördern zusätzlich das Gefühl von Selbstwirksamkeit, Zugehörigkeit und Mut zur Veränderung.

 

Dank kostenloser Teilnahme und Breitstellung von Kinderbetreuung während der Angebote wird der Zugang insbesondere auch für TN ermöglicht, die sich solche Entwicklungsräume sonst nicht leisten könnten – zeitlich oder finanziell.

 

Beabsichtigte Wirkungen auf die Teilnehmenden:

Nach Projektabschluss

  • können die TN Bedürfnisse und Grenzen klarer äußern – gegenüber ihren Kindern, ggf. dem anderen Elternteil und Institutionen;
  • gelingt es ihnen besser, Konflikte konstruktiv und gleichwürdig zu gestalten – insbesondere im familiären Alltag;
  • erleben sie sich als handlungsfähig in belastenden Situationen;
  • erkennen und hinterfragen sie geschlechtsspezifische Rollenprägungen – und entwickeln individuelle Alternativen;
  • haben sie mehr Selbstvertrauen und ein geschärftes Bewusstsein für ihre beruflichen Potenziale;
  • verfügen sie über konkrete Werkzeuge, sich beruflich neu oder anders zu orientieren – auch jenseits klassischer Bewerbungswege;
  • kennen sie ihre Bedürfnisse und Prioritäten für eine berufliche Perspektive, die zu ihrem Alltag und ihren Werten passt;
  • erleben sie sich als Teil einer Gemeinschaft, die Mut macht, Wissen teilt und Veränderungen unterstützt;
  • sind die TN in einer Erwerbsarbeit angekommen, die ihren Potentialen und ihren Lebensumständen entspricht.

 

Wir rechnen damit, dass rund 50–60 % der TN innerhalb von 6–12 Monaten nach Projektende eine Erwerbstätigkeit aufnehmen. Weitere 15–25 % entwickeln konkrete berufliche Perspektiven – etwa durch den Einstieg in Weiterbildungen, Praktika oder gezielte Bewerbungsstrategien. Bei den übrigen TN stehen psychosoziale Stabilisierung, Klarheit über Prioritäten und mittelfristige Orientierung im Vordergrund. Auch hier verstehen wir Empowerment und Selbstwirksamkeit als nachhaltige Grundlage für spätere berufliche Schritte.

 

Ziel ist es, die Selbstwirksamkeit stärken & eine tragfähige Brücke zwischen individueller Lebensrealität & beruflicher Perspektive zu bauen. Langfristig soll das Projekt einen Beitrag leisten zur Verringerung von Armut, Isolation, gesundheitlicher Belastung und struktureller Benachteiligung von Alleinerziehenden in Neukölln – und damit auch die Lebensrealitäten ihrer Kinder nachhaltig verbessern.

Wichtigste Kooperationspartner

Das Modellprojekt baut auf einem dichten Netzwerk aus langjährigen Kooperationen und neuen strategischen Partner*innen auf. Ziel ist es, bestehende Ressourcen im Sozialraum sinnvoll zu nutzen, Angebote zu verzahnen und nachhaltige Strukturen zur Unterstützung von Alleinerziehenden zu stärken.

 

Kooperationspartner*innen im Projektverlauf

 

Flipped Job Market (FJM):
Mit Flipped Job Market besteht eine bewährte, mehrjährige Zusammenarbeit. FJM übernimmt im Projekt die berufliche Neuorientierung auf Grundlage des Gerne-Prinzips. Die Methode richtet sich insbesondere an Menschen in Übergangsphasen und unter hoher Belastung. FJM verbindet Empowerment mit struktureller Arbeitsmarktorientierung und bringt umfangreiche Erfahrung in der Begleitung von Menschen mit komplexen Lebensrealitäten ein. 

 

Jobcenter Neukölln:
In Kooperation mit Frau Carola Felber wird das Projekt gezielt für die Ansprache von alleinerziehenden Leistungsempfänger*innen genutzt, die bereits länger nach einer passenden Beschäftigung suchen. Die institutionelle Unterstützung fördert sowohl Zugang als auch Perspektivwechsel und trägt zur Transferfähigkeit bei.

 

Agentur für Arbeit:

Ebenso über die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) der Agentur für Arbeit Berlin Süd (Kristin Weber).

 

Bezirksamt Neukölln:
Der Leiter des Geschäftsbereichs Soziales und Gesundheit, Hannes Rehfeldt, steht dem Projekt mit seiner Expertise zur Verfügung. Er unterstützt mit inhaltlichem Know-how sowie mit Kontakten zur bezirklichen Verwaltung und relevanten Fachstellen. Das stärkt die Anschlussfähigkeit des Modellprojekts im bezirklichen Kontext.

 

Koordinierungsstelle für Alleinerziehende Neukölln (Ljuba Böttger / Sozialdienst katholischer Frauen – SkF Berlin e.V.):
Die Koordinierungsstelle ist beim SkF Berlin e.V. angesiedelt, einem erfahrenen Träger der freien Jugendhilfe. Sie bietet Beratung, Vernetzung und Informationen für Einelternfamilien im Bezirk und ist zentraler Anlaufpunkt für viele Alleinerziehende in Neukölln.

 

Eine enge Abstimmung mit bestehenden Angeboten ist zentral. Die Koordinierungsstelle verfügt über ein breites Beratungs- und Informationsangebot und ist gut vernetzt im Sozialraum. Um Doppelstrukturen zu vermeiden, verweisen wir gezielt auf bestehende Angebote, z. B. zu den Themen:

  • Rechtsberatung
  • Unterhalt und Finanzen
  • Kinderbetreuung (inkl. flexibler Angebote)
  • Entspannung, Selbstfürsorge, Vernetzung
  • Beratung bei häuslicher, psychischer und finanzieller Gewalt

 

Zugleich werden niedrigschwellige Kontaktstrukturen wie z. B. der Alleinerziehenden-Brunch im FaNN oder die WhatsApp-Gruppen des Netzwerks aktiv genutzt, um Sichtbarkeit und Zugang zum Projekt zu ermöglichen.

 

Ort der Durchführung FaNN – Familienzentrum Neukölln (voraussichtlich):
Das Projekt nutzt Räume und vorhandene Strukturen des FaNN. Hier bestehen bereits Kontakte zu vielen Alleinerziehenden im Kiez. Bestehende Formate (z. B. Brunch, moderierte Gruppenangebote, Austauschformate mit Peerbezug) werden als Anknüpfungspunkte genutzt und mit dem Projekt verzahnt.

 

Verweis- und Kooperationsstruktur

Wir sehen das Projekt ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu bestehenden Angeboten, sondern als ergänzendes Element im bestehenden Unterstützungsnetz. Über strukturierte Verweise, persönliche Empfehlungen und transparente Kommunikation wird aktiv mit relevanten Partner*innen kooperiert, u. a.:

  • Netzwerk Alleinerziehende Neukölln und Landeskoordinierungsstelle Alleinerziehende Berlin
  • Frauentreffpunkt – Fachberatungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (Selchower Straße)
  • Ergänzende Kinderbetreuung in Kooperation mit Mokis/Jugendamt
  • Systemische Beratungsstellen („Kinder im Blick“ u. a.)
  • Peer-Gruppen (FaNN, WhatsApp-Stadtgruppen, Plauderrunden etc.)

 

Zukünftige Vernetzung und Verstetigung

Wir streben an, aus dem Modellprojekt heraus ein tragfähiges lokales Netzwerk für berufliche Perspektiventwicklung von Alleinerziehenden in Neukölln zu initiieren. Dazu gehören:

  • regelmäßige Runden mit Partner*innen
  • die Einbindung in vorhandene Gremien (z. B. Jugendhilfeausschuss, Sozialraumteams)
  • und ggf. der Aufbau eines Peer-Pat*innen-Pools.

 

Zudem sollen durch das Projekt entstandene Impulse (z. B. ergänzende und flexible Kinderbetreuung bei Jobsuche, Mikromentoring) dokumentiert und perspektivisch mit Partnern wie dem Bezirksamt, Jugendamt oder der Koordinierungsstelle weitergedacht werden.