SprachBildungsRaum-Starke Frauen der Rollbergesiedlung

SprachBildungsRaum-Starke Frauen der Rollbergesiedlung
Bezirk
Reinickendorf
Träger
eventus Bildung gGmbH
Reinickendorfer Str. 11
13347 Berlin
Projektadresse
10115 Berlin
Deutschland
Kontakt / Ansprechpartner*in
Gordana Radovic
Leiterin Lernzentrum
030 983 747 00
0172 766 63 66
eventus-BILDUNG gGmbH
Laufzeit:05.01.2026-31.12.2027
Förderprogramm:LSI 2024/1 (Modellprojekte)
Beantragte Fördersumme:298.466,72
Kurzbeschreibung

Das Modellprojekt „SprachBildungsRaum – Starke Frauen der Rollbergesiedlung“ unterstützt Frauen mit Migrationsgeschichte aus der Rollbergesiedlung in Berlin-Reinickendorf beim Ausbau ihrer sprachlichen, digitalen, gesundheitlichen und beruflichen Kompetenzen. Ziel ist es, strukturelle Barrieren abzubauen und die gesellschaftliche Teilhabe der Teilnehmerinnen nachhaltig zu verbessern. 

Grundlage des Projekts sind die Erkenntnisse aus einem vorangegangenen Entwicklungsprojekt, in dem mittels quantitativer und qualitativer Erhebungen die Lebenslagen, Bedarfe und subkulturellen Verortungen der Bewohnerinnen analysiert wurden.

 

Die Projektumsetzung basiert auf einer tragfähigen Kooperationsstruktur mit klar definierten Rollen, gewachsenen Kontakten und einem gemeinsamen Verständnis der Zielgruppe. Projektträger ist eventus Bildung mit dem Lernzentrum, das die Gesamtkoordination, die Steuerung der Netzwerkzusammenarbeit, die Organisation von Teilen des Sprachkursangebots sowie die Betreuung der Teilnehmerinnen verantwortet. Zentrale Projektpartner sind die Volkshochschule Reinickendorf als Bildungspartner, der Paritätische Wohlfahrtsverband mit arbeitsmarktbezogener Expertise sowie die Koordination für Kinder- und Familienarmutsprävention des Bezirksamts Reinickendorf als strategische Partnerin. Ergänzt wird das Projekt durch ein breit aufgestelltes lokales Netzwerk aus Stadtteil- und Familienzentren, Frauenprojekten, Schulen, Vereinen sowie religiösen und kulturellen Einrichtungen. Ein Projektbeirat begleitet das Modellprojekt über die gesamte Laufzeit und unterstützt Qualitätssicherung, fachliche Weiterentwicklung und bezirkliche Verankerung.

 

Inhaltlich richtet sich das Projekt an zwei unterschiedliche Zielgruppen und kombiniert berufsbezogene Qualifizierungsangebote mit niedrigschwelligen Bildungs-, Gesundheits- und Digitalangeboten an vertrauten Orten. Die Maßnahmen sind kultursensibel, wohnortnah und alltagsbezogen konzipiert und ermöglichen individuelle Lern- und Entwicklungswege.

Zielgruppe

Das Modellprojekt adressiert insbesondere Mütter mit Migrationsgeschichte, die in prekären Lebenslagen leben und über geringe Zugänge zu formaler Bildung, Erwerbsarbeit und gesellschaftlicher Teilhabe verfügen. Viele der Frauen sind nicht oder nur geringfügig beschäftigt und stehen aufgrund ihrer familiären Situation – insbesondere der Betreuung von Klein- und Schulkindern sowie fehlender Unterstützungsstrukturen – vor erheblichen strukturellen und alltagspraktischen Barrieren in Bezug auf (Weiter-)Bildung, Berufstätigkeit und soziale Teilhabe. Die Zielgruppe ist überwiegend arabisch-, persisch-, kurdisch- oder türkischsprachig.

 

Auf Grundlage der Bedarfsanalyse lassen sich zwei Teilgruppen mit unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen und Unterstützungsbedarfen unterscheiden:

Zielgruppe 1 (Gruppe A): Bildungsaffine und beruflich motivierte Frauen, überwiegend mit arabischem oder syrischem Hintergrund, die bereits Bildungsangebote im Quartier nutzen und eine berufliche Qualifizierung anstreben. Trotz hoher Motivation wird ihr Zugang zu Arbeit und Weiterbildung häufig durch familiäre Verpflichtungen, eingeschränkte Betreuungsmöglichkeiten und geringe zeitliche Flexibilität – etwa durch Schichtarbeit der Partner – erschwert.

 

Zielgruppe 2 (Gruppe B): Bildungsferne bzw. systemferne Frauen mit arabischem, türkischem oder kurdischem Hintergrund, die kaum oder keine Deutschkenntnisse besitzen und teilweise auch in ihrer Herkunftssprache nicht alphabetisiert sind. Sie sind institutionell kaum angebunden, nutzen überwiegend religiöse oder subkulturelle Lernorte wie Moscheen oder Koranschulen und konnten durch bestehende Bildungsangebote im Quartier bislang nur marginal erreicht werden.

 

Beide Gruppen eint ein hoher Bedarf an kultursensibler, niedrigschwelliger, wohnortnaher und alltagsbezogener Bildungsförderung sowie der Wunsch nach mehr Selbstwirksamkeit, sozialer Teilhabe und Stärkung ihrer sprachlichen, digitalen und beruflichen Handlungskompetenzen.

Beabsichtigte Ergebnisse und Wirkungen

Für Zielgruppe 1 führen die berufsbezogenen Deutschkurse, betrieblichen Erprobungen, individuellen Beratungen und Bewerbungstrainings zu einer verbesserten sprachlichen Handlungssicherheit, zum Erwerb berufspraktischer Kompetenzen und zur Entwicklung realistischer, familienvereinbarer beruflicher Perspektiven. Die Teilnehmerinnen gewinnen Vertrauen in ihre Lern- und Arbeitsfähigkeit, erweitern ihre beruflichen Optionen und werden gezielt beim Einstieg in den Arbeitsmarkt unterstützt.

 

Für Zielgruppe 2 ermöglichen niedrigschwellige Alphabetisierungs-, Sprach-, Gesundheits- und Digitalkurse an vertrauten Orten den Zugang zu Bildung für Frauen, die bislang kaum erreicht wurden. Die Teilnehmerinnen erwerben grundlegende Sprach- und Digitalkompetenzen, gewinnen mehr Sicherheit im Umgang mit Behörden, Schulen und digitalen Anwendungen und stärken ihre Handlungskompetenz im Familienalltag. Gesundheitsfördernde Angebote tragen zur Stressreduktion, zur Stabilisierung der psychosozialen Gesundheit und zur Stärkung des Selbstwertgefühls bei.

 

Über beide Zielgruppen hinweg stärkt das Projekt die Selbstwirksamkeit, das Selbstvertrauen und die soziale Vernetzung der Frauen. Durch gemeinsames Lernen, gegenseitige Unterstützung und neue Bildungs- und Teilhabeerfahrungen entwickeln sie ein erweitertes Selbstbild und können als Multiplikatorinnen in ihren Familien und sozialen Netzwerken wirken. Langfristig trägt das Modellprojekt zur Verbesserung der Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Teilhabe Chancen von Frauen im Quartier sowie zu einem positiven sozialen Klima in der Rollbergesiedlung bei.

Wichtigste Kooperationspartner

Die Umsetzung des Modellprojekts „SprachBildungsRaum – Starke Frauen der Rollbergesiedlung“ erfolgt in enger Zusammenarbeit mit einem etablierten Netzwerk aus Bildungs-, Sozial- und Verwaltungseinrichtungen im Bezirk Reinickendorf. Die Kooperation basiert auf gewachsenen Kontakten, klaren Rollen und einem gemeinsamen Verständnis der Zielgruppe und ihrer Bedarfe.

Projektträger ist eventus Bildung mit dem Lernzentrum, das die Gesamtkoordination übernimmt, die Zusammenarbeit im Netzwerk steuert, Teile des Sprachkursangebots organisiert und die Teilnehmerinnen begleitet.

Die Volkshochschule Reinickendorf ist zentraler Bildungspartner und führt in Kooperation mit dem Projektträger die Sprach- und Alphabetisierungskurse sowie digitale Bildungs- und gesundheitsbezogene Angebote durch.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin unterstützt das Projekt bei der Kommunikation mit dem Jobcenter Reinickendorf, der Akquise geeigneter Betriebe für Praxisphasen und bringt seine arbeitsmarktbezogene Expertise ein.

Als strategische Partnerin begleitet die Koordination für Kinder- und Familienarmutsprävention des Bezirksamts Reinickendorf das Projekt, stärkt die bezirkliche Vernetzung und berät bei der Anbindung an bestehende Fachstrukturen.

Lokale Einrichtungen wie das Stadtteilzentrum Rollberge, das Quartiersmanagement Rollbergesiedlung, das FACE Familienzentrum, Horizonte e. V., Flotte Lotte e. V. sowie die Grundschule in den Rollbergen unterstützen insbesondere die Teilnehmerinnenansprache, stellen Räume zur Verfügung und fördern die Sichtbarkeit des Projekts im Sozialraum. Weitere Akteure (u. a. Vereine, Jugend- und Sporteinrichtungen sowie religiöse Einrichtungen) ermöglichen den Zugang zu schwer erreichbaren Zielgruppen.

Ein Projektbeirat aus Vertreter*innen von Bildung, Gemeinwesenarbeit und Verwaltung begleitet das Modellprojekt fachlich, unterstützt die Qualitätssicherung und fördert die nachhaltige Verankerung im Bezirk.