

Im Rahmen unseres Projektes "Vielfalt im Dienst" erproben wir ein Konzept zur sozialen Inklusion gefährdeter Personengruppen wie geflüchtete und neu zugewanderte Menschen. Ziel ist die Integration in den öffentlichen Dienst in Berlin-Neukölln, wo großer Fachkräftebedarf besteht. Angesichts einer prognostizierten 20- prozentigen Lücke im Fachkräftebedarf bis 2030 wollen wir durch Partnerschaften mit der Bezirksverwaltung, der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter freie Stellen schneller besetzen und einen effizienten Einstieg ermöglichen. Wir fokussieren uns auf relevante Branchen im öffentlichen Dienst, in denen keine deutsche Staatsangehörigkeit erforderlich ist. Berlin-Neukölln bietet durch seine kulturelle Vielfalt sowohl Chancen als auch Herausforderungen bei der Integration. Dieses Projekt fördert Chancengleichheit und bekämpft den Fachkräftemangel durch moderne und inklusive Lösungen im öffentlichen Dienst.
Primäre Zielgruppe: Geflüchtete und neu zugewanderte Menschen mit guten bis sehr guten Deutschkenntnissen (B1–C2) und Potenzial für Tätigkeiten im öffentlichen Dienst. Eingeschlossen sind Akademiker:innen, beruflich Qualifizierte sowie Ungelernte mit relevanter Berufserfahrung, die bislang keinen qualifikationsadäquaten Zugang zum Arbeitsmarkt gefunden haben. Auch Quereinsteiger:innen, deren bisherige Laufbahnen wegen rechts- oder standardbezogener Unterschiede nicht fortsetzbar sind (z. B. Jurist:innen), aber über vielle übertragbare Kompetenzen verfügen, werden adressiert.
Beispiel: Pazir, IT-Systemingenieur und Sicherheitsexperte (Deutsch B2, Englisch C1; Bachelor anerkannt, M.Sc. TU Berlin), zielt nach Erfahrungen als Dozent auf den Einstieg als Informatiker. Mehrere Behörden bestätigen: IT ist besonders schwer zu besetzen, u. a. wegen geringerer Gehälter gegenüber der Privatwirtschaft.
Sekundäre Zielgruppe: Entscheidungs- und Personalverantwortliche in den Fachbereichen des Bezirksamts und verbundener Betriebe. Diese soll für die Umsetzung des Partizipationsgesetzes und diskriminierungsfreie Rekrutierung sensibilisiert werden, Lösungsansätze aus anderen Bundesländern kennenlernen und gemeinsam erörtern, wie Auswahlkriterien und -prozesse entsprechend den Projektempfehlungen angepasst werden können. Durch systematische Feedbackschleifen wird kontinuierlich evaluiert, welche Methoden greifen und welche nicht, um die Ansätze fortlaufend zu optimieren.
Neukölln ist von hoher sozialer und kultureller Vielfalt geprägt. Das Entwicklungsprojekt hat jedoch gezeigt, dass trotz fortschrittlicher Rahmenbedingungen Diversitätsförderung in der Verwaltung an spezifischen Hürden scheitert. Diese halten sowohl qualifizierte geflüchtete und neu zugewanderte Bewerber:innen von einer Bewerbung ab, als auch Recruiter:innen in der Verwaltung davon, diese Kandidat:innen einzustellen, u.a.:
- Mangel an arbeitsmarktrelevanten Kenntnissen und Kompetenzen – sowohl in Bezug auf allgemeine Standards in Deutschland (z. B. CV und Motivationsschreiben, Suchkanäle) als auch auf die Besonderheiten im öffentlichen Dienst (z. B. Tarifvertragssystem, Verwaltungsrecht, Fachsprache);
- Informationsdefizite über Beschäftigungsmöglichkeiten ohne deutschen Pass;
- Einschüchternde Wirkung der Verwaltung als Arbeitgeber;
- Unklarheiten bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse;
- Sprachbarrieren durch komplexe Verwaltungssprache;
- Konstitutive Anforderungen, die „klassische“ Laufbahnen tendenziell bevorzugen.
Unser übergeordnetes Ziel bleibt die Erhöhung des Anteils von Beschäftigten mit Migrations- und Fluchterfahrung im öffentlichen Dienst Neuköllns – als Beitrag zu einer inklusiveren, repräsentativeren und leistungsfähigeren Verwaltung – sowie darüber hinaus die Stärkung ihrer Teilhabe am Arbeitsmarkt insgesamt, zum Nutzen der gesamten Gesellschaft. Aus den Erkenntnissen des Entwicklungsprojekts leiten sich drei spezifische Ziele bzw. Handlungsfelder ab:
(A) Individuelle Beschäftigungsfähigkeit stärken
(B) Informations- und Kommunikationsbarrieren abbauen
(C) Strukturelle Hemmnisse in der Verwaltung aufweichen
Das Modellprojekt adressiert dabei bewusst zwei Zielgruppen:
(1) Geflüchtete und neu zugewanderte Menschen mit Potenzial für Tätigkeiten im öffentlichen Dienst (→ Handlungsfelder A, B)
(2) Stakeholder in Verwaltung und öffentlichen Betrieben (Personal, Fachbereiche, Führung), deren Haltungs- und Prozessveränderungen Voraussetzung für nachhaltige Integration sind (→ Handlungsfelder C)
Von folgenden Wirkungen profitieren die Teilnehmenden der primären (1) und der sekundären (2) Zielgruppe:
- Erwerb verwaltungs- bzw. arbeitsmarktrelevanter Kompetenzen (1)
- Gewinn neuer beruflicher Perspektiven sowie Integrationsmöglichkeiten (1)
- Stärkung des Selbstwertgefühls (1)
- Verbesserung der Lebensbedingungen mit positiven Auswirkungen auf die Familie (1)
- Berufliche und persönliche Weiterentwicklung durch aktive Mitwirkung bei der sozialen Inklusion gefährdeter Personengruppen und Erwerb von Diversitätskompetenzen (2)
- Beitrag zur Überwindung des Fachkräftemangels (2)
- Verbesserte Qualität der Bürgerdienste durch vielfältigere Belegschaft (2)
- Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit, Produktivität und beruflichen Attraktivität durch Diversitätsoffenheit (2)
- Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts durch bessere Repräsentation der Bevölkerungsvielfalt und Identifikation mit Berlin (1 & 2)
Im Zentrum der Kooperation steht das Bezirksamt Neukölln, operativ vertreten durch die Koordinierungsstelle für Flucht und Zuwanderung für die interne Vernetzung. Weitere Partner sind einzelne Fachbereiche (z. B. Zentrales Bewerbungsbüro), Integrationskursträger, Hilfsorganisationen, Jobcenter und öffentliche Unternehmen wie BVG, BSR, Kindertagesstätten SüdOst, Vivantes. Arbeitgeber der Privatwirtschaft werden auch zur Maximierung der Beschäftigungsoptionen einbezogen.
