Soziale Innovation für Berlins Verwaltung: Das Projekt „Vielfalt im Dienst“

Der öffentliche Dienst in Berlin steht vor einer gewaltigen Aufgabe: Bis 2030 wird ein Fachkräftemangel von rund 20 % prognostiziert. Gleichzeitig bleibt das Potenzial von geflüchteten und neu zugewanderten Menschen oft ungenutzt. Das ESF+-Modellprojekt des Förderinstruments Lokal‑Sozial‑Innovativ „Vielfalt im Dienst“, getragen von der jobs4refugees gGmbH, setzt genau hier an.

Hürden abbauen, Potenziale aktivieren

Unsere Analysen zeigen: Es mangelt nicht an Motivation, sondern an Transparenz. Komplexe Verwaltungssprache, Unklarheiten bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse und Unsicherheiten über Beschäftigungsmöglichkeiten ohne deutschen Pass wirken oft wenig einladend. „Vielfalt im Dienst“ bricht diese Barrieren auf – in enger Kooperation mit dem Bezirksamt Neukölln und Partnern wie der BVG, Vivantes und der BSR.

Das Projekt arbeitet auf drei Ebenen:

Individuelle Stärkung:
Geflüchtete erhalten durch Coaching, Sprachcafés und spezialisierte Workshops (u. a. zu Verwaltungsrecht und Fachsprache) das nötige Rüstzeug für den Einstieg.

Informationsfluss:
Wir veröffentlichen Jobangebote in leicht verständlicher Sprache und betreiben gezielte Aufklärungsarbeit über Karrierewege im öffentlichen Sektor.

Institutionelle Öffnung:
Wir sensibilisieren Auswahlverantwortliche durch Diversity‑Trainings und etablieren Mentoring‑Programme, um die Verwaltung von innen heraus für neue Zielgruppen zu öffnen.

Erfolge, die Gesichter haben

Ein erfahrener Umweltingenieur bereitet sich nach gezieltem Coaching aktuell auf seine Vorstellungsgespräche in seinem Fachbereich vor.

Ein Soziologe mit Schwerpunkt Migrationsforschung bringt seine Expertise nun in Bewerbungsprozesse für koordinierende Aufgaben im Integrationsmanagement ein.

Zwei erfahrene Pädagoginnen (7 und 17 Jahre Berufserfahrung) stehen kurz vor dem Einstieg in den Berliner Schuldienst bzw. in die Hortbetreuung.

Ein Modell für ganz Berlin

Das Ziel ist klar: Wir wollen den Anteil von Menschen mit Fluchterfahrung im öffentlichen Dienst nachhaltig erhöhen. Davon profitiert nicht nur die Verwaltung durch qualifizierte Fachkräfte, sondern die gesamte Gesellschaft durch gelebte Teilhabe und Repräsentation.

Durch den modularen Aufbau ist unser Ansatz skalierbar. Die entwickelten Tools – von Checklisten für „Leichte Sprache“ bis hin zu Best‑Practice‑Leitfäden – sollen künftig auch anderen Berliner Bezirken als Blaupause dienen.

Über das Projekt

„Vielfalt im Dienst“ wird von jobs4refugees in Abstimmung mit dem Bezirklichen Bündnis für Wirtschaft und Arbeit (BBWA) Neukölln sowie in Kooperation mit dem Bezirksamt Neukölln, der BVG, Vivantes und der BSR durchgeführt und durch einen Beirat, bestehend aus Expert:innen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, strategisch begleitet.