


Ziel: Aufbau einer multiperspektivischen Entwicklungspartnerschaft in Kooperation mit relevanten Partnern (Klimabeauftragter, Interaktiv e. V., Beratungsstellen usw.), Problem- und Umfeldanalyse zur Energiearmut in migrantischen Communities und Implementierung eines an die lokalen Gegebenheiten angepassten Modellkonzeptes aus den Niederlanden zu folgenden Fragestellungen:
- Wie können die vorhandenen Energie-Beratungen Menschen aus migrantischen Communities, die von der Energiearmut besonders betroffen sind, kultursensibler und zielgruppengerechter erreichen?
- Wie erreichen wir die am meisten von der Energiearmut betroffenen Menschen wirksam, damit diese besser an der Energiewende teilnehmen, ihren Energieverbrauch und die Kosten dafür reduzieren und damit gleichzeitig ihre Wohnqualität erhöhen können?
- Inwiefern steigert die Schulung und aktive Einbeziehung der Zielgruppe als Multiplikator/-innen sichtbar die Nachfrage nach Energiesparberatungen in den betroffenen Haushalten?
- Inwiefern kann die vorgesehene Schulung von arbeitsmarktfernen Personen aus migrantischen Communities zu einer Erhöhung von arbeitsmarktbezogenen Kompetenzen und damit neuen beruflichen Perspektiven führen?
- Inwiefern können sozial-innovative Bestandteile des erfolgreichen niederländischen Modellprojekts Fixbrigade NL an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden und in unser Modellkonzept einfließen?
- Inwiefern kann das Projekt Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen für eine gerechtere Verteilung von bezahlbarer Energie in allen gesellschaftlichen Schichten liefern?
Zielgruppe sind von Energiearmut betroffene Menschen, insbesondere mit Migrationshintergrund.
Energiearmut betrifft vor allem Menschen mit Migrationshintergrund bzw. mit Fluchterfahrung, die in schwierigen sozialen Wohnsituationen leben. Zusätzliche Einflussfaktoren sind häufig geringe Bildungsniveaus, unzureichende Deutschkenntnisse und geringe Einkommen. Viele der Betroffenen wissen über bestehende Hilfs- und Beratungsangebote nicht oder nicht ausreichend Bescheid oder finden kaum einen aktiven Weg der Beschäftigung mit dem Thema Energiesparen. Dies führt oft zu Überforderungssituationen und Verschuldung. Es gibt zwar zahlreiche Energieberatungsangebote in Berlin, aber in migrantischen Communitys erschweren oft sprachliche und kulturelle Barrieren den Zugang. Die aktuellen Kommunikations- und Beratungsstrukturen sind nicht ausreichend oder zielgruppengerecht genug, um die betroffenen Menschen wirksam zu erreichen. Darüber hinaus gibt es in migrantischen Communitys eine nicht zu ignorierende Skepsis gegenüber kostenlosen, öffentlichen Angeboten, obwohl der Handlungs- und Beratungsbedarf sehr groß ist. Auch Schamgefühle hindern diese Menschen oft daran, eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Der Wunsch ist groß nach einem Angebot, welches die Gemeinschaft mitträgt und diese gleichzeitig stärkt.
Innerhalb der beschriebenen Zielgruppe gibt es viele Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und Behinderungen. Ihre dadurch oft zusätzlich erschwerte soziale Problemlage soll durch das Projekt spezifisch adressiert werden.
Problem- und Umfeldanalyse:
- Generierung eines Überblicks über bestehende Angebote, Projekte, Maßnahmen, Hilfsinitiativen und Unterstützungsleistungen etc.
- Interviews mit relevanten Akteur*innen, die Energieberatung anbieten
- Interviews mit der Zielgruppe über die Hürden und Bedarfe zum Thema
Multiperspektivische Entwicklungspartnerschaften (interkulturell, interdisziplinär):
- Durchführung multiperspektivischer Fachaustausche
- Auslotung weiterer Partnerschaften für das Modellprojekt
Konzeptentwicklung zur Erprobung eines Lösungsansatzes mit sozial-innovativem Potential:
- Auswertung der Ergebnisse der Fachaustausche und Fokusgruppengespräche
- Konzeptentwicklung für den Antrag mit allen Partnern, Übertragung von Aspekten und Bestandteilen des Projekts Fixbrigade Nederland, bei dem langzeitarbeitslose Menschen aus migrantischen Communities als Multiplikator/-innen für das Thema Energieeffizienz und Allround-Handwerker/-innen für niedrigschwellige Hilfen in den Haushalten geschult werden und so Kompetenzen aufbauen und berufliche Perspektiven entwickeln.
- Entwicklung eines Angebots, das sich von den anderen Angeboten in folgenden Punkten unterscheidet:
- Beratungen von Personen aus der community, bottom-up Ansatz im Vergleich zu top-down Ansätzen anderer Angebote
- Die Gemeinschaft berät sich untereinander, Stärkung der Nachbarschaft
- Bereitstellung investiver Energieeffizienzmaßnahmen
- Zielgruppengerechte Ansprachen
Im Rahmen des Projekts wurde eine umfassende Analyse Problem- und Umfeldanalyse zum Thema Energiearmut in Friedrichshain-Kreuzberg durchgeführt. Dabei wurden zentrale Risikofaktoren wie niedrige Einkommen, unsichere Beschäftigung, gesundheitliche Einschränkungen, dauerhaft belastende Wohnverhältnisse in energetisch schlechten Mietwohnungen und mangelnder Zugang zu Hilfsangeboten identifiziert.
Auf dieser Grundlage ist ein sozial-innovativer Lösungsansatz entstanden, der auf einem community-basierten, bottom-up Ansatz beruht. Dabei wurde aufbauend auf dem niederländischen Projekt Fixbrigade ein lokalspezifischer Ansatz für Friedrichshain-Kreuzberg entwickelt, welcher auf folgenden Grundmerkmalen beruht: Heterogene Projektteams bestehend unter anderem aus professionellen Handwerker:innen, langzeitarbeitslosen Menschen aus migrantischen Communities, Ehrenamtlichen und weiteren Akteuren. Diese werden zu Multiplikator:innen für Energieeffizienz und zu Allround-Handwerker:innen für niedrigschwellige Hilfen in Haushalten qualifiziert und erwerben so verwertbare arbeitsmarktrelevante Kompetenzen und Fähigkeiten. Innerhalb der und mit den Helferteams wird eine Brücke zwischen sozialem und technischen Know-How im Sinne einer kultursensiblen und umsetzungsorientierten Beratung geschaffen. So werden gleichzeitig Energieeinsparungen erzielt, Nachbarschaften gestärkt und berufliche Perspektiven geschaffen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei auch die Datenbeschaffung und –analyse, um Energiearmut quantitativ zu identifizieren, die Zielgruppe sichtbar zu machen und eine entsprechende Akquise zu erleichtern.
Das Projekt baute eine multiperspektivische Entwicklungspartnerschaft mit Akteuren auf, die fundierte Expertise in den Bereichen Energie und Klima, Sozialarbeit, Behindertenhilfe, Arbeitsmarktintegration und Forschung vereinen. In gemeinsamen Fachaustauschen und Fokusgruppen wurden Bedarfe und Barrieren der Zielgruppe(n) systematisch erfasst und daraus partnerschaftlich praxisnahe Lösungsansätze entwickelt. Insbesondere die Erweiterung der Partnerschaften mit einem Akteur, welcher die Arbeitsmarktintegration adressiert, war ein relevanter Zugewinn im Rahmen des Entwicklungsprojektes.
Das Projekt hat die gesellschaftliche Relevanz von Energiearmut im Bezirk und die Grenzen bestehender Angebote sichtbar gemacht, zentrale Bedarfe der Zielgruppe ermittelt und lokalspezifische Lösungsansätze im Sinne der sozialen Wärmewende entwickelt. Diese innovativen und partizipativen Ansätze besitzen hohes Umsetzungspotenzial und sollen zeitnah mithilfe passender Fördermöglichkeiten und durch eine dynamisch sich weiter entwickelnde Partnerschaft umgesetzt werden. In dem entwickelten Lösungsansatz wird weiterhin hohes Potenzial für den Transfer in andere Bezirke und Städte gesehen.
- Klimabeauftragter des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg
- InterAktiv e. V. (Entwicklungspartner)
- BUND Berlin e. V. (Fachpartner)
- Deneff e. V. (Fachpartner)
