
Überblick
„Work Now!“ unterstützt Geflüchtete mit Duldung oder Aufenthaltsgestattung und guter Bleibeperspektive auf ihrem Weg in passende Arbeit, Ausbildung oder Studium.
Im Ergebnis des vorausgegangenen Entwicklungsprojektes steht im Mittelpunkt die Erprobung eines ganzheitlichen, zwölfmonatigen Coachings, das individuelle Begleitung, Kompetenzstärkung und psychosoziale Stabilisierung verbindet. Es wird ergänzt Angebot durch niedrigschwelliges Jobmatching, Arbeitserprobungen, KI-gestützte Berufsorientierung sowie enge Kooperationen mit Wirtschaft, Verwaltung und Jobplattformen.
Ziel ist die nachhaltige berufliche Integration der Teilnehmenden – und zugleich die Erschließung eines ungenutzten Fach- und Arbeitskräftepotenzials vor Ort. Das Projekt stärkt Beschäftigungsfähigkeit, wirkt Armut und sozialer Ausgrenzung entgegen. Es ist als skalierbares, investitionswirksames Modell konzipiert, das messbar zur sozialen Inklusion und zu Einsparungen im Sozialsystem beitragen soll. Die Erprobung des Modellkonzeptes wird methodisch aufbereitet. Ein zentraler Transferworkshop am Ende des Projektes macht die Erkenntnisse relevanten Akteuren und Entscheidungsträgern zugänglich und stößt damit eine Weiterverbreitung des Lösungsansatzes an.
Anlass für das Projekt
Im Jahr 2024 lebten über 33.000 Geflüchtete mit unsicherem Aufenthaltsstatus in Berlin – Menschen, die oft seit Jahren hier leben, die Sprache sprechen und den Willen mitbringen, beruflich Fuß zu fassen. Und dennoch: Nur etwa 4,5 % der erwerbsfähigen Geduldeten und rund 30 % derjenigen mit Aufenthaltsgestattung sind erwerbstätig oder in Ausbildung. Trotz teilweiser Erleichterungen beim Arbeitsmarktzugang in den letzten Jahren bleibt die Lücke zwischen Potenzial und tatsächlicher Erwerbsbeteiligung groß.
Dabei sind viele von ihnen – das zeigen die Ergebnisse unseres LSI-Entwicklungsprojekts und unsere eigenen Erfahrungen – optimistisch und motiviert, ihre Zukunft aktiv zu gestalten. Doch viele dieser Menschen leben seit Jahren unter schwierigen Bedingungen: anhaltende Ungewissheit über den Aufenthaltsstatus, fehlende Lebensperspektive, der lange Verbleib in Gemeinschaftsunterkünften und Armut zehren an der psychischen Gesundheit und dem Integrationswillen. Wie ein IAB-Kurzbericht vom Oktober 2024 belegt, sinkt die Motivation insbesondere nach etwa zwei Jahren – genau dann, wenn viele eigentlich bereit wären, den nächsten Schritt zu gehen.
Hinzu kommen erschwerte Zugänge für Arbeitgeber zur Zielgruppe, komplexe Hürden bei der Vermittlung in Arbeit und Ausbildung sowie wenig vorhandene und kaum bekannte Fördermöglichkeiten, die zudem sukzessive weiter abgebaut werden. Genau hier setzt “Work Now!” an: mit individueller, längerfristiger Begleitung und enger Zusammenarbeit mit allen relevanten Akteuren werden menschenwürdige tragfähige Lebensperspektiven geschaffen und zugleich bisher unentdeckter Fach- und Arbeitskräftepotenziale erschlossen.
Das Projekt richtet sich an Geflüchtete mit Aufenthaltsgestattung oder Duldung mit guter Bleibeperspektive. Mehr als 75% dieser Menschen sind im erwerbsfähigen Alter, 60% davon sind männlich.
Die Umsetzung und Erfolgs-Messung des Projekts orientieren sich an der PHINEO-Wirkungslogik:
INPUT - Leitfrage: Mit welchen Ressourcen und Aktivitäten soll etwas erreicht werden?
-> Indikatoren: Projekt-Budget, eingesetztes Personal, Maßnahmen zur Zielgruppen-Ansprache, Anzahl Coachings, Einbindung Multiplikatoren
OUTPUT - Leitfrage: Wer soll mit dem Projekt erreicht und welche konkreten Ergebnisse erzielt werden?
-> Indikatoren: Anzahl Projektteilnehmende, Anwesenheitsquote, durchgeführte praktische Erprobungen, Vermittlungen in Arbeit oder Ausbildung
OUTCOME - Leitfrage: Welche Veränderungen sollen auf individueller Ebene bewirkt werden?
-> Indikatoren: nachhaltiger Verbleib in Arbeit/Ausbildung/Studium, Kompetenzzuwachs, Sicherung des Aufenthalts, Psychosoziale Stabilisierung, Verbesserung der Lebenssituation
IMPACT - Leitfrage: Welche Veränderungen sollen für die Gesellschaft bewirkt werden?
-> Indikatoren: Erleichterung des Zugangs zum Arbeitsmarkt, Beitrag zur Linderung des Fachkräftemangels, eingesparte Sozialleistungen durch nachhaltige Vermittlungen
Jede:r Projekt-TLN erhält zum Ende der Teilnahme ein qualifiziertes Zertifikat, auf dem die Inhalte und die erreichten Erfolge/Ziele während der Teilnahme ausgewiesen sind. Bei Bedarf kann auch eine grobe Einschätzung zu den wahrgenommenen Stärken und persönlichen Eigenschaften der/des TLN erfolgen (bspw. Zuverlässigkeit, Lernbereitschaft, Freundlichkeit). Dies kann gerade für die Teilnehmenden sehr hilfreich sein, da diese oftmals noch nicht über Arbeitserfahrungen in Deutschland verfügen und/oder im Heimatland keine Arbeitszeugnisse üblich sind.
Das Projektkonzept zeichnet sich durch wirkungsvolle Kooperationen an den Schnittstellen Recruiting, Vermittlung, Förderung und Verwaltung aus, um die besonderen Erfordernisse für die Gewinnung und Integration der Zielgruppe als Fach- und Arbeitskräfte umfassend zu berücksichtigen.
Partizipationsbeauftragte des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg
● Zugang zu den Unterkünften im Bezirk zur Teilnehmenden-Akquise
● Zusammenarbeit mit dem Personal-Servicebüro des Bezirksamts zur Akquise von Praktika und Hospitationen im öffentlichen Dienst
Friedrichshain-Kreuzberger Unternehmerverein e.V.
● Unterstützung bei der Akquise von Praktika und Hospitationen, vornehmlich in Unternehmen des Bezirks
● Organisation von Unternehmensbesuchen
● Sensibilisierung der Unternehmen für die Potentiale der Zielgruppe als Fachkräfte und Mitarbeiter:innen
Workeer - Jobbörse für internationale & geflüchtete Talente
● gezieltere Berücksichtigung der Personengruppe Geduldete/Gestattete bei der Registrierung und Matching von Talents und Unternehmen auf der Plattform
● Unterstützung bei der Anfrage nach Hospitationen und Praktika für Projekt-Teilnehmende
● Sensibilisierung der Unternehmen für die Potentiale der Zielgruppe als Fachkräfte und Mitarbeiter:innen
