

SELFI – Selbständigkeit fördert Inspiration ist ein Empowerment-Projekt für Frauen in Berlin mit Schwerpunkt in Friedrichshain-Kreuzberg, die sich innerhalb der nächsten 20 Jahre auf den Übergang in die Rente vorbereiten und aufgrund unterbrochener Erwerbsbiografien, prekärer Beschäftigung oder familiärer Sorgearbeit ein erhöhtes Risiko finanzieller Unsicherheit im Alter tragen.
Das Projekt verfolgt einen präventiven Ansatz, indem es frühzeitig Orientierung, Wissen und Handlungssicherheit stärkt und strukturelle Risiken im Übergang in die Altersphase sichtbar macht. Ziel ist es, gemeinsam tragfähige Strategien für die Altersphase zu entwickeln, sowohl in finanzieller Hinsicht als auch in Bezug auf weitere zentrale Lebensbereiche. In Kleingruppen (Erfolgsteams) und offenen Community-Formaten (RenteCaféTreffs) erarbeiten die Teilnehmerinnen gemeinschaftlich Lösungen. Ergänzend entsteht eine digitale Bibliothek mit verständlich aufbereiteten Materialien. Das Projekt ist partizipativ angelegt und zielt auf eine langfristige Verstetigung durch lokale Netzwerke und geschulte Multiplikatorinnen.
SELFI richtet sich mit einem besonderen Fokus auf den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg an Frauen, die sich in einer Lebensphase befinden, in der langfristige Entscheidungen zur Altersgestaltung zunehmend relevant werden. Im Mittelpunkt stehen Frauen, deren Erwerbs- und Lebensverläufe nicht den klassischen, kontinuierlichen Erwerbsmodellen entsprechen und die daher mit erhöhten Unsicherheiten im Hinblick auf ihre Absicherung im Alter konfrontiert sind.
Viele dieser Frauen bewegen sich zwischen unterschiedlichen Beschäftigungsformen, haben Phasen unbezahlter Care-Arbeit übernommen oder verfügen über fragmentierte Rentenansprüche, deren langfristige Auswirkungen schwer einschätzbar sind
SELFI als Modellprojekt erprobt einen im vorausgegangenen Entwicklungsprojekt erarbeiteten präventiven, community-basierten Ansatz zur frühzeitigen Auseinandersetzung mit Risiken finanzieller Unsicherheit im Alter von Frauen. Durch die Teilnahme an SELFI gewinnen die Teilnehmerinnen mehr Klarheit über ihre individuelle Situation im Hinblick auf den Übergang in die Altersphase und entwickeln ein realistischeres Verständnis zukünftiger Einkommensperspektiven, möglicher Versorgungslücken und relevanter Einflussfaktoren. Altersvorsorgethemen werden dadurch als handhabbarer erlebt, wodurch Unsicherheiten und Vermeidungsverhalten reduziert werden.
Die Teilnehmerinnen stärken ihre finanziellen und lebenspraktischen Kompetenzen und erhalten Zugang zu verständlich aufbereiteten Informationen, die informierte Entscheidungen ermöglichen. Viele Frauen entwickeln Motivation und Vertrauen, erste konkrete Schritte zu gehen, etwa Renteninformationen einzuholen, Beratungsangebote wahrzunehmen oder finanzielle Themen im privaten Umfeld anzusprechen. Der gruppenbasierte Austausch fördert soziale Teilhabe, baut Isolation ab und stärkt gegenseitige Unterstützung.
Als Modellprojekt erzeugt SELFI übertragbare Erkenntnisse und Formate, die auch in anderen Sozialräumen Anwendung finden können. Durch den Aufbau lokaler Netzwerke und die Qualifizierung von Multiplikatorinnen entstehen nachhaltige Strukturen, die über die Projektlaufzeit hinaus wirken und einen präventiven, empowernden Umgang mit der Altersphase unterstützen. Ein zentraler Transferworkshop am Ende des Projektes macht die Erkenntnisse relevanten Akteuren und Entscheidungsträgern zugänglich und stößt damit eine Weiterverbreitung des Lösungsansatzes an.
Das SELFI-Modellprojekt wird in enger Zusammenarbeit mit etablierten lokalen und institutionellen Partnern umgesetzt, deren Expertise maßgeblich zur inhaltlichen Qualität, Zugänglichkeit und nachhaltigen Verankerung des Projekts beiträgt. Zentrale Kooperationspartnerin ist der Dütti-Nachbarschaftstreff in Friedrichshain-Kreuzberg, ein wohnortnaher Begegnungs- und Beratungsort mit langjähriger Erfahrung in der Nachbarschaftsarbeit, Bildungsarbeit und im Empowerment vielfältiger Zielgruppen.
Eine weitere strategische Kooperationspartnerin ist die Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg (VHS), mit der im Rahmen des Projekts die perspektivische Verstetigung der Multiplikatorinnen-Schulung (Renten-Lotsinnen) als institutionalisiertes Bildungsangebot geprüft wird. Dadurch wird die Anschlussfähigkeit des Modellprojekts an die öffentliche Bildungsinfrastruktur sowie seine Übertragbarkeit gestärkt.
Ergänzend ist die Zusammenarbeit mit weiteren Akteurinnen und Akteuren im Bezirk vorgesehen, darunter Einrichtungen der Familien- und Sozialberatung, Träger der Migrationsarbeit sowie frauenspezifische Netzwerke. Diese Kooperationen tragen zur fachlichen Vertiefung, zur Weitervermittlung in individuelle Beratungsangebote und zur Öffnung des Projekts in den Sozialraum bei. Zur fachlichen Begleitung und Qualitätssicherung wird das Projekt durch einen interdisziplinären Beirat unterstützt.
